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Laboratorium - Institut für aktuelle Kunst

Kunsthöfe im Ravelin I


Das Laboratorium, ein preußischer Festungsbau, der 1821 im Ravelin I für die Feuerwerkerei der Artillerie errichtet wurde, beherbergt heute das Institut für aktuelle Kunst im Saarland. Auf dem Vorplatz und in zwei angrenzenden Höfen werden dauerhaft Werke aktueller Bildender Kunst ausgestellt.


Das im Jahre 1993 auf Initiative von Prof. Jo Enzweiler gegründete und von einem Förderverein getragene Institut für aktuelle Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar verfolgt das Ziel, Künstlerinnen und Künstler zu fördern und Kunst zu vermitteln. Zu diesem Zwecke sammelt und archiviert das Institut Daten über Bildende Künstlerinnen und Künstler und über Angelegenheiten der Bildenden Kunst im Saarland und zunehmend auch der europäischen Großregion Luxemburg, Lothringen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Wallonien mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und der Französischen Gemeinschaft Belgiens. Das gesammelte und aufbereitete Material wird über unterschiedliche Medien der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Neben der regen Publikationstätigkeit geschieht dies über Ausstellungen, Vorträge, Künstlergespräche, kunstpädagogische Projekte, interdisziplinäre Workshops und Symposien. Hinzu kommen die Konzeption, Betreuung und Dokumentation künstlerischer Wettbewerbe. Besondere Schwerpunkte der Institutsarbeit bilden die Erarbeitung von Werkverzeichnissen, die saarlandweite Inventarisation der nach 1945 im öffentlichen Raum entstandenen Kunstwerke sowie die Internetlexika zur Bildenden Kunst und zu Bildenden Künstlerinnen und Künstlern im Saarland und der Großregion.


Dank des Einsatzes der Stadt Saarlouis konnte das Institut für aktuelle Kunst im Jahre 1993 das restaurierte Laboratoriumsgebäude beziehen. Das Laboratorium stammt aus der preußischen Epoche der 1680 gegründeten französischen Festung Saarlouis. Den Plan für die Neugründung lieferte der Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre, Marquis de Vauban, der die Gegebenheiten der an dieser Stelle weiten, flachen und unbebauten Talaue der Saar dazu nutzte, eine geradezu idealtypische, regelmäßige Überschwemmungsfestung in Form eines Sechsecks zu konstruieren. Die schachbrettartig angelegte Stadt wurde von einem Festungsstern umfangen, der sich aus den sechs geraden Abschnitten (Kurtinen) des Hauptwalls und den an seinen sechs Ecken spitz ausspringenden Bollwerken (Bastionen) zusammensetzte. Diese Hauptwallanlage war von dem breiten Festungsgraben umgeben, in dem weitere schützende Hindernisse lagen. Dazu gehörten sogenannte Grabenscheren (Tenaillen), die mit Schützenplattformen und Brustwehren bestückt waren und der Deckung der Kurtinen dienten. Die schmalen Tenaillen wurden ihrerseits von flächigen Halbmonden (Ravelins) gedeckt, im Grundriss dreieckigen, vollständig von Gräben umgebenen, inselartigen Werken, die Leonardo da Vinci als „Schilde der Festung“ bezeichnete.


Als nach den Befreiungskriegen 1815 mit der Saarregion auch die Festung Saarlouis an Preußen fiel, wurden Teile der Festungsanlagen modernisiert und ausgebaut. Zu den unter dem preußischen Ingenieurhauptmann und Ingenieur des Platzes Johann Pientka, gen. Haak begonnenen Neuerungen gehörte, dass man in allen Ravelins niedrige, massive Wehrbauten (Reduits) errichtete, die als selbstständige, schusssichere und sturmfreie Gewölbebauten ausgeführt und für weitere, unterschiedliche Funktionen hergerichtet wurden. Das Reduit, das 1821 im Ravelin I gebaut wurde, nahm das Laboratorium auf, in dem Feuerwerker Zünder, Munition, Signalfeuer und besondere Feuerwerkskörper für die Artillerie zubereiteten. Steinerne, mit Schießlöchern für Gewehre versehene Mauern schlossen sich links und rechts an der zur Stadt gelegenen Stirnseite des Gebäudes an und schufen zwischen Laboratoriumsbau und Hauptgraben einen gedeckten Rückzugsraum.


Die Eroberung und Eingliederung von Elsaß-Lothringen in das Deutsche Kaiserreich 1871 nahmen der Stadt Saarlouis ihre Funktion als Grenzfestung. In der Folge wurde die Festung aufgegeben, die Wälle abgetragen, die Gräben zugeschüttet und viele der Wehrbauten niedergelegt. Von den Bauwerken aus der frühen preußischen Zeit sind nur wenige erhalten geblieben. Das Laboratorium auf dem nun ehemaligen Ravelin I ist eines davon. Zu dem bestehen gebliebenen gedeckten Rückzugsraum, dem heutigen Vorplatz, kamen bei der Sanierung des Gewölbebaus und seiner Herrichtung für die Zwecke des Instituts für aktuelle Kunst zwei Höfe hinzu. Sie liegen an den Längsseiten des Gebäudes und nutzen die alten preußischen Schießschartenmauern als Teil ihrer Umfriedung.


Auf diesen Freiflächen zeigte das Institut in wechselnden Ausstellungen Beispiele aktueller Kunst. Dank des Engagements von Künstlern und Leihgebern, die dem Institut Kunstwerke gestiftet oder als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt haben, konnte auf allen drei Außenflächen eine Dauerausstellung eingerichtet werden, die unter dem Titel  „Kunsthöfe auf dem Ravelin I“ im Mai 2010 eröffnet wurde.

 

Weitere Informationen im Internet unter:

www.institut-aktuelle-kunst.de
www.kunstlexikon-saar.de
www.kuenstlerlexikonsaar.de

 

Adresse und Weg

Institut für aktuelle Kunst im Saarland

Choisyring 10

66740 Saarlouis

Tel: 06831/460530

E-Mail


Öffnungszeiten

Montag bis Freitag

10 bis 12 Uhr, und nach Vereinbarung