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1966

Schicksalsjahr für Saarlouis: Ford siedelt auf dem Röderberg ein Montagewerk für 8000 Beschäftigte an.

 

Für die industrielle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt brachte das Jahr 1966 die entscheidende Wende: Auf dem Röderberg gründete das Weltunternehmen Ford ein Montagezweigwerk, das im Endausbau auf rund 8000 Arbeitskräfte ausgelegt war. Am 16. Januar 1970 lief der erste Ford-Escort vom Band. Bei einer Produktionsziffer von 6.526.037 wurde der Bau dieses Modells am 17. Juli 1998 beendet Seit 10 August 1998 wird in Saarlouis der "Focus" hergestellt. Zu diesem Zeitpunkt zählt das Werk 6.095 Beschäftigte. Die Tageskapazität der Produktion ist derzeit auf 1.590 Fahrzeuge ausgelegt.

Saarlouis entwickelt sich zu einer attraktiven Einkaufsstadt und auch in allen anderen Lebensbereichen setzt ein unaufhaltsamer Aufschwung ein.

Als Folge des Saardurchstichs (Anfang 1972) wird der verbliebene Saaraltarm zu einem idyllischen Naherholungsgebiet ausgebaut. Im Stadtkern selbst bemüht man sich von dieser Zeit an liebevoll um die Erhaltung der historischen Bausubstanz. Die Kommandantur am Großen Markt, die Kasematten und Kasernen, aber auch viele der alten Bürgerhäuser werden restauriert und mit neuem Leben erfüllt.

In den Kasematten siedeln sich Gastronomiebetriebe an. Es entsteht die "längste Theke des Saarlandes". Dieses Beispiel setzt sich in der Altstadt fort, die mit ihren gemütlichen Restaurants, Bistros und Kneipen zum beliebtesten Treffpunkt für Jung und Alt wird.

Daneben erhalten auch Neubauprojekte, die den Maßstäben der Altstadtviertel verpflichtet bleiben, eine Chance. Neue Wohngebiet werden erschlossen.

Die Bedeutung des schon vor dieser Zeit zentralen Schulstandortes wird unter anderem durch den Bau des Schulzentrums In den Fliesen verstärkt. Die baulichen und strukturellen Erweiterungen der St. Elisabeth-Klinik und des DRK-Krankenhauses (vormals Städtisches Krankenhaus) machen Saarlouis zu einem Schwerpunkt für medizinische Versorgung. Mitten in der Stadt, am Prälat-Subtil-Ring, entsteht ein modernes Alten- und Pflegeheim. Inzwischen gibt es ein weiteres in der Lisdorfer Straße in der Trägerschaft der AWO: die "Sonnenresidenz". Kinderkrippen,  -krabbelstuben und Kindergärten entstehen, ebenso Kindertagesstätten und Kinderhorte bis hin zur Bedarfsdeckung. Inzwischen verfügt Saarlouis auch über eine Ganztagsgrundschule.

Auch die kulturelle Entwicklung hält Schritt. Das städtische Museum und die Stadtbibliothek etablieren sich in neuer Form in der aufwendig renovierten Kaserne VI. Ein alljährliches Kulturprogramm, anspruchsvoll und abwechslungsreich, verleiht der Stadt auch kulturell Mittelpunktfunktion in der Region.  Zwei große, kulturellen Zwecken dienende Hallen werden errichtet: die Kulturhalle Roden und später das Vereinshaus Fraulautern.1987 kommt als weiterer kultureller Akzent das Museum Haus Ludwig für internationale Kunstausstellungen hinzu. 1992 wird im restaurierten "Laboratorium" das Institut für aktuelle Kunst an der Hochschule der bildenden Künste Saar eingerichtet. Hier werden beginnend in der Gegenwart, in die Zukunft weisend, Daten und Materialien über bildende Kunst im Saarland und der angrenzenden Region gesammelt, aufbereitet und archiviert.

Die "Saarlouiser Woche" heute das größte Volksfest an der Saar, wird 1968 ins Leben gerufen, einige Jahre später folgt das Altstadtfest. Beides Highlights im vollgepackten Veranstaltungskalender der Stadt und Besuchermagnete weit über die Landesgrenzen hinaus.

Auf sportlicher Ebene sind vor allem die 70er und 80er Jahre durch einen wahren Bauboom gekennzeichnet. Sport- und Mehrzweckhallen entstehen in allen Stadtteilen, darüber hinaus eine Vielzahl von Sportanlagen für die verschiedensten Sparten. Inzwischen werden in den 100 Saarlouiser Sportvereinen fast 50 verschiedene Sportarten ausgeübt.

Parallel dazu entwickelt sich Saarlouis zu einem renommierten Wirtschaftsstandort. Marksteine, die für den hervorragenden Ruf der Stadt auf dem Wirtschaftssektor sprechen, sind unter anderem der Bau des Industriehafens Saarlouis-Dillingen, ebenso der auf dem Röderberg errichtete Ford-Industriepark sowie die IKEA-Ansiedlung in Lisdorf.

Auch die Innenstadt wandelt ihr Gesicht und gibt sich ein neues, moderneres und kundenfreundlicheres Profil. Gemütliche  Fußgängerzonen werden ausgebaut, zuletzt in der Französischen Straße, der Schlächterstraße und der Schwarzochsenstraße. Analog dazu entsteht in der Deutschen Straße eine verkehrsberuhigte Zone und im Vorfeld einer noch zu entwickelnden großen Lösung wird der Große Markt saniert. Störende Aufbauten wurden beseitigt und die  Parksituation neu geordnet.

Neben der abschnittweisen Realisierung der städtebaulichen Neukonzeption für die Innenstadt hat es sich die Stadt zum Ziel gesetzt, ihren Charakter als Festungsstadt, ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal, wieder stärker herauszubilden. So hat man im Rahmen eines langfristigen Programmes mit der baulichen Sanierung der Festungsanlagen und ihrer Freilegung vom überwuchernden Bewuchs im Stadtgarten, am Saaraltarm und auf den Kasematten begonnen.

Zukunftsweisende Erkenntnisse über bestehende strukturelle Mängel und konkrete Handlungsmuster zur weiteren Attraktivitätssteigerung der Stadt Saarlouis in allen Lebensbereichen verspricht sich die Stadt von der Erstellung eines Stadtmarketinggutachtens. Auf der Grundlage einer bereits vorliegenden Ist-Analyse sind Arbeitsgruppen derzeit dabei,  Ideen und Initiativen zum Abbau von Defiziten und zur Verbesserung der Situation in einzelnen Bereichen zu erarbeiten.

Kennzeichnend für die Innovationsbereitschaft der Stadt sind Zukunftsprojekte wie der "Industriepark Lisdorfer Berg", der durch den bevorstehenden Bau der B 269 neu in eine konkrete Entwicklungsphase getreten ist, ebenso der auf den Weg gebrachte Bebauungsplan Ronnhoed.