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Garnisonsstadt Saarlouis

Als Grenzfestung 1680 auf Geheiß Ludwig XIV. errichtet, blickt Saarlouis auf eine lange Tradition als Militär- und Garnisonsstadt zurück. Auch als Saarlouis seine strategische Bedeutung als Grenzfestung längst verloren hatte, blieb die Stadt Garnisonsstandort.

Zur Zeit der Stadtgründung stellten die Soldaten eine hohen Anteil an der Bevölkerung der Stadt. Das Militärgouvernement war der Zivilverwaltung und der Kirche im Rang weit übergeordnet. Militärische Anlagen und Kasernenbauten stellten im Stadtbild eine Dominante dar. Der noch unverändert erhaltene große Platz inmitten der Festungsstadt ist hierfür eines der prägnantesten Zeugnisse. Er war als Parade und Exerzierplatz konzipiert und gemessen an der Fläche der umliegenden Wohnviertel stark überdimensioniert. Bis heute sind die aus französischer und preußischer Zeit noch erhaltenen Kasernenbauten prägende städtebauliche Elemente geblieben.
 

In der Enge der Vaubanschen Festungsanlage hatten die französischen Stadtgründer bereits eine stattliche Reihe von Kasernen und Militärbauten platziert. Die einzige heute noch erhaltene französische Kaserne ist die Kaserne I in der Pavillonstraße. Aus französischer Zeit stammt außerdem die Kommandantur am Großen Markt, der ehemalige Sitz der Militärverwaltung. Nach der Machtübernahme durch die Preußen verstärkten diese das schon vorhandene Kontingent an militärischen Bauwerken. Heute noch vorhanden sind davon die Kaserne IV, die Kaserne VI, die Kaserne X, das Laboratorium, Teile der Kaibelkaserne und schließlich die Kasematten östlich und westlich des Deutschen Tores.

 

Zuletzt entstand der ursprünglich als „Jägerkaserne“ bezeichnete Kasernenkomplex an der Wallerfanger Straße, heute Graf-Werder-Kaserne. Er wurde unmittelbar vor dem 1. Weltkrieg für das Jägerregiment Nr. 13 errichtet. Noch vor der Fertigstellung brach der 1. Weltkrieg aus und das Regiment zog dort nicht mehr ein. Nach dem 1. Weltkrieg beanspruchten die Franzosen die Kasernenanlage für die Dauer der französischen Besatzungszeit für verschiedene französische Einheiten. Am 30. April 1927 verließen die französischen Besatzungstruppen Saarlouis.

 

Am 6. Okt. 1936 schlug dann mit dem 3. Infanterieregiment Nr. 70 die Deutschen Wehrmacht ihr Domizil in dieser Kaserne auf. Damit erfolgte auch die Umbenennung in Graf-Werder-Kaserne im Gedenken an den gleichnamigen Kommandeur des Infanterieregimentes Nr. 30, welches 1876 aus Diedenhofen und Trier in die Kaserne VI verlegt worden war. Es erfreute sich großer Beliebtheit bei der Bevölkerung, nicht zuletzt wegen seines Musikzuges. 1938 erfolgte die Umbildung des Infanterieregimentes Nr. 70 in das MG-Bataillon Nr. 13.

 

Nach 1945 hielten wieder französische Soldaten in Saarlouis Einzug. Sie blieben bis September 1968. Die Graf-Werder-Kaserne trug in dieser Zeit den Namen „Quartier Ney“.

 

Seit 1972 setzen Einheiten der Luftlandebrigade 26, die zum 1. April 2015 in Luftlandebrigade 1 umbenannt wurde, die militärische Tradition der Stadt Saarlouis als Garnisonsstadt fort. Der Inspekteur des Heeres verlieh der Brigade 1991 den Namenszusatz „Saarland“, da sich zu diesem Zeitpunkt alle zur Brigade gehörenden Standorte im Saarland befanden. Die Luftlandebrigade 1 ist derzeit die einzige Luftlandebrigade der Bundeswehr und die ihr unterstellten Truppenteile verteilen sich auf die Standorte Saarlouis, Zweibrücken, Merzig, Lebach und Seedorf.

Als die Soldaten der damaligen Brigade in Saarlouis Einzug hielten, wurden sie von der Stadt und ihrer Bevölkerung freudig willkommen geheißen. Derzeit sind der Stab der Luftlandebrigade 1 sowie die Stabs- und Fernmeldekompanie und die Luftlandepionierkompanie 260 und die nicht zur Brigade gehörende Fernmeldekompanie Eurokorps mit insgesamt bis zu 500 Soldaten in Saarlouis stationiert. Hinzu kommen 44 Soldaten und 9 Zivilangestellte des Landeskommando Saarland sowie 60 bis 65 Angehörige des für das gesamte Saarland zuständigen Karrierecenters. Die Außenstelle des Bundeswehrdienstleistungszentrum Zweibrücken hat 53 Beschäftigte.

 

Die Saarlouiser sind stolz und glücklich, einen so bedeutungsvollen Bundeswehrstandort in ihren Mauern zu beherbergen. Die damit verbundene Wirtschaftskraft, aber auch die mit der Garnison einhergehende gesellschaftliche Bereicherung werden von der Stadt und ihrer Bevölkerung hoch eingeschätzt.

Eine konsequente Öffnung der Garnison nach draußen und ihre stete Politik der Aufgeschlossenheit und des Miteinanders haben insbesondere im letzten Jahrzehnt über das Traditionsbewusstsein hinaus die Bindung zwischen den Garnisonsangehörigen und der Bevölkerung wieder gefestigt. Die Stadt Saarlouis und die Brigade gehören zusammen. Öffentliche Veranstaltungen auf dem Großen Markt, wie Kommandoübergaben und Appelle finden stets große Beachtung bei den Menschen aus Saarlouis und dem Umland. Bei solchen Anlässen wird der Großen Markt heute noch seiner eigentlichen Funktion als militärischer Übungs- und Paradeplatz in Perfektion gerecht. Eine besondere Freude ist es den stets zahlreich präsenten offiziellen Vertretern der designierten Europastadt Stadt Saarlouis und den Zuschauern aus der ganzen Region immer wieder, wenn sich beim feierlichen Abschlussappel und der Truppenparade der deutsch-französischen Gefechtsübung „Colibri“ deutsche und französische Soldaten gemeinsam auf dem Großen Markt präsentieren. Sie sind ein Symbol für die in unserer Stadt gelebte europäische Wirklichkeit.

 

Mit viel Anteilnahme und Anerkennung verfolgen die Menschen in Saarlouis auch die immer wieder gefahrenträchtigen Friedenseinsätze der Saarland-Brigade im Ausland.

 

Weitere Informationen

» Landeskommando Saarland