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„Also heraus und weit weg! Expressionismus – Eine Epoche und die Saarregion“

16.02.2021

Von: Georg André


StreamLesung der Stadtbibliothek Saarlouis und der Ludwig Galerie Saarlouis



Plakat zur StreamLesung aus der Ludwig Galerie Saarlouis.

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Ralph Schock, Herausgeber des Werkes "Also heraus und weit weg! Expressionismus – Eine Epoche und die Saarregion“ (Foto: Stadtbibliothek)

Die Stadtbibliothek Saarlouis und die Ludwig Galerie Saarlouis stellen mit dem Herausgeber Ralph Schock dessen neues Werk „Also heraus und weit weg! Expressionismus – Eine Epoche und die Saarregion“ als Stream über den YouTube Kanal der Kreisstadt Saarlouis vor. Die Lesung wird erstmalig am Donnerstag, dem 18. Februar 2021 um 19:30 Uhr gestreamt. Die Premiere ist kostenlos über den YouTube Kanal der Kreisstadt Saarlouis abrufbar.

 

Expressionismus und die Saarregion verband man bisher nicht so sehr, weder in der Kunst- noch Literaturwelt. Ralph Schock hat sich diesem bisher wenig bekannten Zusammenhang angenommen und daraus ein interessantes Lese- und Bilderbuch zusammengestellt. Er stellt Autoren vor, die aus der Saarregion stammten oder zeitweise dort lebten und die für bedeutende Verlage und Zeitschriften des Expressionismus schrieben. Interessant sind besonders dabei die Autoren und Künstler, die leider vergessen sind oder nur noch Kunstliebhabern bekannt sind. Alfred Döblin kennt man, aber wer kennt noch Hans Koch, ein enger Freund der Autoren Otto Flake und Ernst Stadler, geboren in St. Avold.

Ralph Schock wird im Gespräch mit der Leiterin der Ludwig Galerie Saarlouis, Dr. Claudia Wiotte-Franz, sein Buch vorstellen.

 

Das Hauptaugenmerk der Lesung wird auf den Vettern Richard Maximilian und Fritz Max Cahén liegen; jüdische Saarlouiser Mitbürger und Autoren, die als bekannte Gegner des Nationalsozialismus nach 1933 aus Deutschland fliehen mussten. Ralph Schock wird ihre Lyrik und Prosa, aber natürlich auch ihre Lebensgeschichten vorstellen. Sie und ihre Familien wurden verfolgt und zur Flucht getrieben, aus den Orten und Städten, die davor noch ihre Familien als Teil der Bürgerschaft geschätzt hatten. So waren der Vater und der Großvater von Richard Maximilian Cahén Saarlouiser Stadtverordnete. Moses Cahén, sein Großvater, erbaute vor seinem Umzug nach Saarlouis die Hüttersdorfer Synagoge.

 

Moses Cahéns anderer Enkel, Richard Cahéns Vetter Fritz, war Sohn des Saarlouiser Kaufmanns Eugen Cahén / Kahn. Dieser war Vorstandsmitglied und Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr Saarlouis und Gründungsmitglied des „Verbandes der freiwilligen Feuerwehren des Kreises Saarlouis“. Er starb 1910 und ist auf dem jüdischen Friedhof in Dillingen-Diefflen begraben. Fritz Max Cahén verlies früh seine saarländische Heimat, um in Marburg und Paris zu studieren. Seit 1913 lebte er als Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur in Berlin. Von 1915 bis 1918 arbeitete er als Korrespondent der „Frankfurter Zeitung“ in Kopenhagen. Danach war er Persönlicher Referent für Pressefragen beim Staatssekretär des Äußern, so sein offizieller Titel, und in dieser Funktion Chef des Presseamts unter dem von Dezember 1918 bis Juni 1919 amtierenden ersten Außenminister der Weimarer Republik, Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau. In dessen Begleitung reiste er als Mitglied der Regierungsdelegation zur Weimarer Nationalversammlung und der deutschen Friedensdelegation nach Versailles.

 

Die Lesung in der sehenswerten Ausstellung „Das Werk von Robert Capa und sein Wirken an der Saar“ in der Ludwig Galerie Saarlouis, bot sich wegen der zeitlich und inhaltlichen Nähe mit den Lebensdaten der Künstler an. Leider ist die Ludwig Galerie, wie alle Museen, zurzeit für Publikum geschlossen.

Ein weiterer wichtiger Grund der Ortswahl für die Lesung ist das Gebäude, die Kaserne VI.


Dieses Gebäude ist ein steinerner Zeuge für die Geschichte der Stadt Saarlouis. Zur Geschichte gehören aber auch vor allem die Menschen, die hier lebten und leben. Diese Menschen sind wichtiger als jedes Gebäude. Zu diesen Menschen gehören die Vetter Cahén. Eben noch geehrt im nächsten Moment ausgestoßen.

 

Zu dieser Zeit stand auch dieses Gebäude und wurde Zeuge von Nationalsozialismus und Antisemitismus. Es hat aber solche Lichtblicke erlebt, wie dass einer ehemaligen jüdische Bürgerin hier die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde, Esther Bejarano. Dass sie diese annahm, war und ist eine Ehre für die Stadt Saarlouis. Daher ist die Ludwig Galerie in der Kaserne VI ein guter Ort, die Geschichte der Vettern Cahén und ihre Werke kennenzulernen. Jüdisches Leben war und ist integraler, wertvoller Teil deutscher Kultur und Geschichte.

 

Premiere der StreamLesung ist am Donnerstag, dem 18. Februar 2021 um 19:30 Uhr auf dem YouTube Kanal der Kreisstadt Saarlouis(www.youtube.com/EuropastadtSaarlouis). Sie ist kostenlos abrufbar. Für alle die die Premiere verpasst haben, ist der Zugriff auf die Aufzeichnung noch bis 31. März 2021 auf dem Kanal möglich.