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Bewahrenswerte Kultur: Neues Forschungszentrum für Künstlernachlässe in Saarlouis

06.03.2017

Von: Sascha Schmidt


Eine wichtige Institution für die regionale Kulturlandschaft: Offiziell eröffnet wurde am Sonntag das Forschungszentrum für Künstlernachlässe am Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis. Hier werden Nachlässe regionaler Künstler wissenschaftlich erfasst, ausgestellt und zur Ausleihe angeboten. Deutschlandweit vernetzt haben sich diese und weitere regionale Initiativen zudem im neuen Bundesverband Künstlernachlässe.



Im Studiensaal des neuen Forschungszentrums für Künstlernachlässe: Professor Jo Enzweiler (sitzend) mit OB Roland Henz und Kulturminister Ulrich Commerçon. Fotos: Sascha Schmidt

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Großer Andrang herrschte bei der Eröffnung des neuen Forschungszentrums. Dem positiven Mitdenken der vielen Gäste und Unterstützer sei das Gelingen des Projektes zu verdanken.

In einer offenen Diskussionsrunde schilderten die Beteiligten aus Politik, Wissenschaft und Auswahlkommission die künftige Arbeit des Forschungszentrums sowie des neu gegründeten Bundesverbandes Künstlernachlässe mit Sitz in Berlin.

Der Auswahlkommission gehören unter anderem Mitglieder des Instituts für aktuelle Kunst, der HBK und der saarländischen Museen an.

Der Vorstand des neu gegründeten Bundesverbandes Künstlernachlässe. Gemeinsam werden regionale Initiativen aus derzeit zehn Bundesländern vernetzt und in ihren Interessen gestärkt.

Rund zehn Jahre setzten sich Prof. Jo Enzweiler und OB Roland Henz für die Einrichtung des Forschungszentrums für Künstlernachlässe ein, bis es endlich realisiert werden konnte.

Prof. Dr. Gora Jain ist Vorsitzende des neuen Bundesverbandes Künstlernachlässe.

Auch HBK-Rektorin Prof. Gabriele Langendorf betonte den Wert der neuen Institution.

Zum Forschungszentrum gehört auch ein Studiensaal mit großer Präsenzbibliothek.

Im Schaulager werden ausgewählte Werke aus Künstlernachlässen präsentiert. In der Artothek können sie für geringe Gebühren von Privatpersonen und Institutionen entliehen werden. Zur wissenschaftlichen Erfassung der Werke gehören auch die Pflege einer digitalen Datenbank und gedruckter Werkverzeichnisse.

Im Kunstraum werden wechselnde Ausstellungen zu sehen sein. Mit der Eröffnung des Forschungszentrums startete auch die erste Ausstellung mit Werken von Karl Kunz.

Längst nicht mehr können Museen alle Werke verstorbener Kunstschaffender aufnehmen, Erben sind mit dem Nachlass oft überfordert. Hier setzt das neue Forschungszentrum für Künstlernachlässe an: Es bietet umfassende Beratung zum Thema, erfasst, digitalisiert und publiziert Künstlernachlässe und stellt originale Kunstwerke in einem Schaulager aus – dort können sie dann über die Artothek von Privatpersonen und Institutionen gegen eine geringe Gebühr entliehen werden. Auch ein Kunstraum für Ausstellungen und ein Studiensaal mit riesiger Präsenzbibliothek gehören zum neuen Forschungszentrum, das am Wochenende eröffnet wurde.

 

Vor zehn Jahren sei Prof. Jo Enzweiler an ihn herangetreten um mit ihm über das bundesweite Problem der Künstlernachlässe zu sprechen, erinnerte OB Roland Henz bei der Eröffnung des Forschungszentrums. „Er hat mich überzeugt, dass wir alle Kraft daran setzen müssen, damit Künstlerinnen und Künstler den Kopf frei haben, dass sie arbeiten können, ohne dass sie etwas bedrängt, was ihnen den Kopf zerbricht und ihre Kunst hemmt.“ In den vergangenen zehn Jahren seien der Saarlouiser Oberbürgermeister und Institutsdirektor Jo Enzweiler zu Motoren des Forschungszentrums für Künstlernachlässe geworden, hob Ulrich Commerçon, Minister für Bildung und Kultur hervor. „In diesem Metier sind zehn Jahre ein ‚Wimpernschlag‘.“

 

Eine Auswahl zu treffen, zu kuratieren – für Museumsmacher sei das etwas ganz normales, sagte Commerçon. „Eine finale Auswahl zu treffen ist viel schwerer.“ Auch deshalb sei es so wichtig, dass die Nachlässe wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Mit der wissenschaftlichen Archivarbeit werde ein Gedächtnisspeicher kultureller Handlungsfelder hergestellt, bestätigte auch die Rektorin der Hochschule der Bildenden Künste, Prof. Gabriele Langendorf.

 

Mehr als 150 Gäste kamen zur Eröffnung, darunter viele Unterstützer und Wegbegleiter des Instituts aus Kunstbetrieb und Wissenschaft, aus Landespolitik, Kreistag und Stadtrat. „Durch das positive Mitdenken haben Sie dazu beigetragen, dass es funktioniert“, würdigte Prof. Enzweiler die Gäste und auch OB Henz bedankte sich bei einem Netzwerk von Vielen, das zum Gelingen beigetragen hat. „Künstler schaffen geistiges Gut und stellen es der Gesellschaft zur Verfügung“, erklärte Enzweiler. „Diese hat die Verpflichtung, es zu pflegen.“ Diesem Ziel verpflichtet seien das neue Forschungszentrum und seine Unterstützer.

 

Deutschlandweit vernetzt: Bundesverband Künstlernachlässe gegründet

Am Vorabend der Eröffnung des Forschungszentrums für Künstlernachlässe gründeten Vertreter zahlreicher regionaler Initiativen in Saarlouis den neuen Bundesverband Künstlernachlässe (BKN) mit Sitz in Berlin.

 

„Wir wollen regionale Initiativen stärken“, sagte die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins, Prof. Dr. Gora Jain. „So wie es bereits in der Denkmalpflege erfolgt, ist auch die Kunst ein Kulturgut und als solches bewahrens- und erhaltenswert.“ So können Dinge hervorgeholt werden, die ewig verborgen blieben und ein neues Licht auf Künstler, Bewegungen und regionale Strömungen geworfen werden. „Auch Wander- oder Wechselausstellungen wären möglich“, erklärt die Verbandsvorsitzende. „Das könnte zum Beispiel Parallelen in regionalen Entwicklungen aufzeigen.“

 

Regionale Initiativen aus zehn Bundesländern gehören dem BKN an, der ab sofort deren Interessen koordinieren und bundesweit vernetzen wird.


 

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