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Ein Ort des Erinnerns: Synagogen-Gedenktafel in Beaumarais enthüllt

22.02.2013

Von: Sascha Schmidt


„Acht in Beaumarais geborene Mitbürger wurden in Ausschwitz ermordet“, sagte Walter Löffler bei seinem Rückblick auf die Geschichte der Juden im Ortsteil. An sie und die örtliche Synagoge erinnern nun zwei Gedenktafeln auf dem Friedhof in Beaumarais.



Ein Ort der Erinnerung: Beigeordneter Manfred Heyer, Oberbürgermeister Roland Henz, Heinrich Pütz vom Verein für Mundart und Geschichte und Bürgermeister Klaus Pecina (von links) bei der Enthüllung der Gedenktafeln. Fotos: Sascha Schmidt

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Es sei wichtig, die Erinnerung weiterzutragen, sagte Oberbürgermeister Roland Henz bei der Gedenkfeier in Beaumarais.

Die Tafeln erinnern an die Synagoge Beaumarais und das Schicksal der Juden aus dem Ort, die der Verfolgung und Ermordung durch die Nazis zum Opfer fielen. Heinrich Pütz, Beigeordneter Manfred Heyer, Walter Löffler und Oberbürgermeister Roland Henz (von links) bei der Gedenkfeier.

Zur Enthüllung der Gedenktafeln kamen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter aus Verwaltung, Politik und Heimatforschung.

An diesem Ort des Gedenkens sind die Geschundenen und Ermordeten keine Nummern mehr, hob Erika Hügel von der Synagogengemeinde Saar hervor.

Der Verein für Mundart und Geschichte mit Oberbürgermeister Roland Henz, Bürgermeister Klaus Pecina, Erika Hügel und Hildegard König-Grewenig.

Eingelassen in die Friedhofsmauer erinnern die beiden Tafeln an das Schicksal der Juden in Beaumarais.

In einer gemeinsamen Gedenkfeier vom Verein für Mundart und Geschichte (VMuG) und der Stadt Saarlouis enthüllten Oberbürgermeister Roland Henz, Bürgermeister Klaus Pecina und Beigeordneter Manfred Heyer gemeinsam mit Heinrich und Peter Pütz vom VMuG die Tafeln im Innenbereich der Friedhofsmauer.


Die Vergangenheit vor Augen halten
„Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen“, zitierte Henz die Inschrift am Holocaust-Mahnmal in Berlin. „Das wollen wir verhindern. Deshalb müssen wir uns die Vergangenheit immer wieder vor Augen halten.“ Den Anwesenden dankte er, „dass sie die Chance des Erinnerns nutzen, denn es ist wichtig, die Erinnerung weiterzutragen. Es ist gut, dass es uns und viele weitere gibt, die sagen: Nie wieder!“


Die Gedenktafel aus Sandstein zeigt ein Relief der ehemaligen Synagoge, die 1850 in Beaumarais erbaut wurde. Nachdem die jüdischen Bewohner 1936 aus dem Ort flüchteten, stand die Synagoge leer. „Bei der Reichspogromnacht wurde sie nicht zerstört, weil die Nazis fürchteten, dass die Nachbarhäuser mit abbrennen würden“, erklärte Löffler, Vorsitzender des VMuG. 1962 wurde das Gebäude in ein Wohnhaus umgebaut. Daneben erinnert eine Bronzetafel an die Verfolgten und Ermordeten Beaumaraiser Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland.


Den Opfern ihre Namen zurückgeben
„Die Ermordeten und Geschundenen haben ihre Namen zurückbekommen an diesem Ort der Erinnerung – sie sind keine Nummern mehr“, sagte Erika Hügel von der Synagogengemeinde Saar. „Ein Gedenken wie dieses verhindert, dass das überwundene Terrorregime als wünschenswertes Regierungssystem angepriesen werden kann.“


Neben der gesamten Verwaltungsspitze kamen Vertreter der Stadtratsfraktionen, der Verwaltung und von benachbarten Heimatvereinen zur Enthüllung der Gedenktafeln. Auch OB Henz‘ Amtsvorgänger Hans-Joachim Fontaine und Landrat a.D Dr. Peter Winter waren unter den Gästen ebenso wie Hildegard König-Grewenig, Initiatorin der Synagogengedenkstätte in Saarlouis und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.


Der Entwurf der Synagogen-Gedenktafel stammt vom Beaumaraiser Steinmetz Stefan Zenner. Die Herstellungskosten übernahm die Stadt Saarlouis.