Aktuelles  /  Info

Ein Tausendsassa feierte Geburtstag: Herzlichen Glückwunsch zum Neunzigsten, Erich Pohl!

04.02.2019

Von: Petra Molitor


Erich Pohl, Ehrenbürger von Saarlouis, wurde im Januar 90 Jahre alt. Dies nahmen die Kreisstadt Saarlouis und die Lebenshilfe Kreisvereinigung Saarlouis zum Anlass, die Familie, Freunde und Weggefährten des Jubilars zum Feiern ins Vereinshaus Fraulautern einzuladen. Neben dem musikalischen Bühnenprogramm, würdigten vier Laudatoren die verdiente Persönlichkeit. Und das war bei einem solch beeindruckenden Lebenslauf wahrlich nicht einfach.



Michel Euxibie, Frank Balzer, Erich Pohl und Peter Demmer (v. l. n. r.). Fotos: Petra Molitor

BILDERGALERIE: Öffnen durch Klick auf ein Bild.

Den Anfang machte nach einer musikalischen Einstimmung der Band der Lebenshilfe deren Kreisvorsitzender Roland Steinmetz. "Der berühmteste, jährlich wiederkehrende 90. Geburtstag ist sicherlich der von Miss Sophie in "Dinner for one". Im Gegensatz zu ihr, lieber Erich, musst Du Deinen Ehrentag allerdings nicht alleine verbringen. Wenn ich heute in den fast bis auf den letzten Platz gefüllten Festsaal schaue, müssen die neun Jahrzehnte Deines Lebens ganz besondere gewesen sein. Wie wäre eine solche Resonanz und Wertschätzung so vieler Menschen sonst zu erklären?", sagte Steinmetz und berichtete, wie es zum großartigen Engagement Erich Pohls bei der Lebenshilfe, einer bundesweiten Organisation zum Wohl geistig behinderter Menschen und ihrer Angehörigen, kam.

 

"Erich Pohl trat 1966 in die Lebenshilfe Kreisvereinigung Saarlouis ein. Zu einer Zeit, in der Behinderte noch als Menschen 2. Klasse galten. Er kam, sah und übernahm das Ruder, ausgezeichnet mit einer besonderen Empathie, mit der er die Herzen aller Mitglieder schnell gewann. 39 Jahre lang war er nicht nur 1. Vorsitzender, sondern Architekt, Motor und Antriebskraft unseres Wirkens und man kann nur erahnen, wie viel Zeit, Arbeit, Schweiß, Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen notwendig waren, die Lebenshilfe im Kreis Saarlouis aus kleinsten Anfängen zu dem zu machen, was sie heute ist. Wir haben Dir unendlich viel zu verdanken. Danke auch an Dich, liebe Gertrud Pohl, dass Du stets so viel Verständnis für den unermüdlichen Einsatz Deines Mannes gehabt hast", so Steinmetz, der Erich Pohl abschließend als "einen Glücksfall für Menschen mit Behinderung, einen Mann, von dem wir nur lernen können" bezeichnete.

 

Der Saarlouiser Oberbürgermeister Peter Demmer schilderte weitere bedeutende Stationen im Leben des Jubilars. Zunächst als Volksschullehrer am Lehrerseminar in Saarlouis und in Lebach mit einer Zusatzqualifikation als Deutschassistent in Frankreich ausgebildet, entschied sich Erich Pohl schon früh dazu, junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten, sie zu fördern und ihnen Wissen zu vermitteln. Nach einigen Jahren Lehrtätigkeit absolvierte er eine zusätzliche Ausbildung zum Hilfsschullehrer und war am Aufbau der Schule für Lernbehinderte in Schaffhausen sowie der Sonderschule G in Saarwellingen maßgeblich beteiligt. In Schaffhausen war Erich Pohl viele Jahre auch als Rektor tätig.

 

Parallel zu seinem sozialen Engagement war Erich Pohl auch seit Mitte der 50er Jahre kommunalpolitisch aktiv und von 1960-1979 fast 20 Jahre Jahre lang Mitglied des Stadtrates, davon 10 Jahre als ehrenamtlicher Beigeordneter für Kultur. 1980 wurde Erich Pohl zum hauptamtlichen Beigeordneten für Kultur gewählt: Dieses Amt hatte er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1993 inne. In seiner Funktion als Kulturbeigeordneter hat Erich Pohl die Gründung der drei Städtepartnerschaften mit Saint-Nazaire (1969), mit Eisenhüttenstadt (1986) und Matiguás (Projektpartnerschaft 1986) aktiv mit verhandelt, gestaltet und Begegnungen hauptverantwortlich organisiert. Mit Feingefühl und Verhandlungsgeschick ist es ihm immer gelungen, auch schwierige diplomatische Situationen souverän und zur Zufriedenheit und zum Wohle aller Beteiligten zu lösen.

 

Für die Städtepartnerschaften hat Erich Pohl gelebt und ist ihnen bis zum heutigen Tage innig verbunden. Und sie ihm auch, denn Frank Balzer, Bürgermeister von Eisenhüttenstadt, Hartmut Preuß, Museumsleiter in der Stadt an der Oder, und Michel Euxibie, ehemaliger Beigeordneter von Saint-Nazaire und enger persönlicher Freund von Pohl, hatten extra die lange Reise nach Saarlouis auf sich genommen, um Erich Pohl zu gratulieren.

 

Der SV 09 Fraulautern, in dem Erich Pohl als erfolgreicher Sportler, Trainer und langjähriger 1. Vorsitzender tätig war, unterhält bereits seit 1969 eine eigene Vereinspartnerschaft mit UMP Saint-Nazaire und fördert seitdem insbesondere den Austausch und die Begegnung von Jugendlichen aus beiden Städten intensiv. Nach seiner Pensionierung war Erich Pohl weiterhin für die Kreisstadt Saarlouis tätig, sein Wissen und seine Kompetenz waren weiterhin gefragt. Deshalb war er in der Zeit von 1994-2005 mit der ehrenamtlichen Leitung des Städtischen Museums betraut. Außerdem hat er bis ins hohe Alter gerne Stadtführungen, auch in französischer Sprache (für Gäste aus dem In- und Ausland) angeboten, bei denen er durch sein fundiertes historisches Wissen und seine anekdotenreichen und eloquenten Darstellungen beeindruckte. In diesem Kontext hat Erich Pohl auch an verschiedenen Publikationen zur Stadtgeschichte mitgearbeitet.

 

Zum Ende des offiziellen Teils kam - natürlich - Erich Pohl selbst zu Wort. Beziehungsweise seine beiden Enkeltöchter Esther und Karen, die die aufgeschriebenen Worte ihres seheingeschränkten Großvaters für ihn weitergaben. Erich Pohl bedankte sich bei allen im Saal für Ihr Kommen und bei Peter Demmer, Roland Steinmetz und allen Mitwirkenden für die Planung, Durchführung und Gestaltung des Geburtstags-Empfangs. Er freue sich über diese Würdigung als Ausdruck erfreulicher Mitmenschlichkeit, die dem vorherrschenden Eindruck widerspricht, unser Verhalten, unser Miteinander-Umgehen werde immer unpersönlicher und nur noch von Sachzwängen bestimmt. Mit Dankbarkeit und Zufriedenheit blicke er auf 90 Lebensjahre zurück, in denen er sowohl im Beruf als auch im Privatleben viel Glück hatte.

 

Erich Pohl erhob sein Glas auf das Wohl aller und wünschte Glück, Gesundheit und Gottes Segen.

 

Auf der Bühne waren mit dabei: die Band der Lebenshilfe, der Rathauschor Saarlouis, das Silcherquartett sowie der Sängerbund 1872 Fraulautern. Statt Geschenken wünschte sich Erich Pohl - Sie ahnen es - Spenden an die Lebenshilfe.