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Fluxus-Zeichner Bernd Kissel über die Entwicklung von Comics

23.07.2014

Von: Sascha Schmidt


Der Comic ist eine in Deutschland zu Unrecht unterschätzte Kunstform, dabei steckt in dem Medium unglaubliches Potential. Comic-Zeichner Bernd Kissel erklärte in der Kaserne VI, wie ein Comic entsteht.



Bernd Kissel in der Kaserne VI – hier hat er über die Geschichte des Comics gesprochen und wie es dazu kam, dass er jetzt die Saarlouiser Stadtgeschichte zeichnet. Im Hintergrund: Comicfigur Fluxus aus dem Stadtcomic „Saarlouis – Im Fluss der Zeit“. Fotos: Sascha Schmidt

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Am Ende seines Vortrages zeichnete er einen Fluxus und projizierte das Bild auf die Leinwand. So konnten die Zuschauer Schritt für Schritt nachvollziehen, wie ein Comic entsteht – von der ersten groben Skizze bis zur Reinzeichnung mit Tusche.

Schon am Morgen erklärte der Zeichner zwei Schulklassen, wie Fluxus aufs Papier kommt.

Eine Zeitreise wollte das Duo auf keinen Fall – „das gab es schon zu oft.“ Das Motiv einer Medaille im Museum brachte die Idee: Ein Flussgott sollte es werden, aber nicht der von der Münze, weil der stellvertretend für die ganze Saar stand, sondern sein erfundener Sohn. Ein Flussgott, der just für den Abschnitt der Saar zuständig ist, den Thomas de Choisy einst für die Festung Saarlouis auswählen sollte: Fluxus. Durch ihn gibt es nicht nur die Verbindung zur Saar – er ist flexibel, durch seine Gestalt kann er überall auftreten.


Seit März erscheint jeden Monat eine neue Folge von „Saarlouis – Im Fluss der Zeit“ kostenlos im Netz.


Geschichten mit Bildern erzählen
Bis es möglich wurde, dass ein Comic die Geschichte einer Stadt erzählen kann, war es ein weiter Weg. Kenntnisreich zeichnete Kissel diesen nach: Von der Höhlenmalerei über Hieroglyphen bis zu Kirchenfenstern sei klar zu erkennen, dass Menschen dazu neigen, Geschichten mit Bildern zu erzählen. Bereits im 11. Jahrhundert stellte der Teppich von Bayeux die Geschichte von Wilhelm dem Eroberer in chronologischer Bilderfolge und mit Textelementen dar. Einen wichtigen Vorläufer des Comics fand Kissel zudem in Wilhelm Busch, der bei seiner berühmten Bubengeschichte Max und Moritz Bilder und Text zusammenbrachte – ein Comic war das aber noch nicht.


Der erste wirkliche Comic folgte rund 30 Jahre später: Yellow Kid aus dem Jahr 1895. „Da gab es aber noch keine Sprechblasen“, sagte Kissel, „alles, was er sagen wollte, stand auf seinem Nachthemd.“ Danach ging es schnell, unzählige weitere Figuren folgten, darunter Felix the Cat, Flash Gordon und Superman, aber auch etliche längst vergessene Charaktere. Veröffentlicht wurden die Bildergeschichten in amerikanischen Zeitungen auf den sogenannten „Fun-“ oder „Comic-Pages“ – so kamen die Comics zu ihrem Namen.


Vom Trickfilm zum Saarlandalbum
Als Comiczeichner und –autor hat sich Kissel heute selbst einen Namen gemacht – mit seinen SaarLegenden und dem SaarlandAlbum hat er saarländische Geschichte und Mythen in kurzen Episoden erzählt, beide Serien sind jeweils als Gesamtausgabe erschienen, nachdem sie zuvor jahrelang in der Saarbrücker Zeitung mit großem Erfolg zu lesen waren. Schon mit 14 Jahren veröffentlichte Kissel im Lokalteil erste Karikaturen, kam später nach Luxemburg zum Trickfilm und zeichnete dort unter anderem die Hintergründe für populäre Serien wie Emily Erdbeer und Horseland.  Schließlich machte er sich als Zeichner und Illustrator selbstständig.


Auch für ZDF-Online arbeitete der saarländische Künstler schon und schloss mit seinem Comic die Lücke zwischen zwei Fernsehkrimis. „Es ist schön, dass der Comic im ganzen deutschsprachigen Raum gelesen wird“, sagt Kissel. „Trotzdem macht es Spaß, wieder etwas Lokales zu tun, wie bei Fluxus – weil das Projekt passt.“


Weitere Informationen
» Magazin XIV, Ausgabe 1/14 (pdf-Datei)
» Fluxus-Comic