Aktuelles  /  Info

Gedenken zum Volkstrauertag: „Die Zeit des Wegsehens ist zu Ende!“

21.11.2019

Von: Sascha Schmidt


„Es ist eine Schande für das ganze Land“, sagte der Kommandeur des Landeskommandos, Oberst Klaus Peter Schirra anlässlich der Gedenkfeier zum Volkstrauertag. „Das fordert uns alle.“



In seiner letzten Gedenkrede zum Volkstrauertag im aktiven Dienst betonte Oberst Klaus Peter Schirra die Pflicht jedes einzelnen für die Wertegemeinschaft und den europäischen Einigungsprozess einzutreten. Auch OB Peter Demmer und Bürgermeisterin Marion Jost sowie zahlreiche Stadtverordnete nahmen an der Feierlichkeit teil. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkstunde von der Spielgemeinschaft „Lyra“ Lisdorf-Picard und dem Saarlouiser Rathauschor. Fotos: Sascha Schmidt

BILDERGALERIE: Öffnen durch Klick auf ein Bild.

Worum ging es? Mehr als 500 antisemitische Übergriffe habe es im zurückliegenden Jahr in Deutschland gegeben, erklärte Schirra, und hob dabei besonders den Anschlag auf die Synagoge in Halle hervor. Untermauert von seinen persönlichen Erfahrungen als Teil einer brandenburgischen Expertengruppe zur Aufklärung einer SS-Massenmordaktion im Februar 1945: Direkt neben dem Tatort des Massenmordes fand man damals zahlreiche Schnaps- und Weinflaschen – ein Indiz für die Entmenschlichung, die auch heute, mehr als 70 Jahre danach, wieder akut geworden ist. Schirra: „Politische Bestürzungs- und Betroffenheitsbekundungen bewirken hier gar nichts.“ Vielmehr trage jeder einzelne Verantwortung dafür, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. „Deshalb müssen wir alle – jeder an seinem Platz – aktiv für die Erhaltung unserer freiheitlichen, rechtsstaatlichen und dem Frieden verpflichteten Staatsordnung eintreten.“

 

Das beginne bereits mit der Erziehung. „Wir müssen der jungen Generation die Vorteile unserer Wertegemeinschaft und des Lebens in Frieden und Freiheit vorleben, sie mitnehmen und sie bei der Bewältigung unserer Vergangenheit sowie bei der Verantwortung für eine friedliche Zukunft aktiv einbinden“, sagte Schirra. Und weiter: „Die Zeit des Wegsehens, des Wegduckens und des folgenlosen Moralisierens ist zu Ende!“

 

Oberst Schirra, der dieses Jahr zum letzten Mal im aktiven Dienst die Ansprache zum Volkstrauertag hielt, gedachte der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Vertreibung, Flucht und Terrorismus und erinnerte dabei insbesondere an Kameraden aus Deutschland und befreundeten Nationen, aber auch an die zivilen Opfer von Kämpfen und Konflikten.

 

Trotz der schrecklichen Bilanz beider Weltkriege hätten die Menschen nicht die erforderlichen Lehren gezogen, da gewalttätige Konflikte auch heute noch täglich Opfer forderten.

 

Dagegen ein Lichtblick: die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. „Sie ist die Grundlage für die Europäische Einigung“, betonte Schirra.  In Zeiten des wiederaufkeimenden nationalstaatlichen Denkens „müssen wir uns alle für Europa einsetzen – für die Fortführung des europäischen Einigungsprozesses, für Frieden, Freiheit und Toleranz, um eine Rückkehr der Dämonen unserer Vergangenheit für immer zu verhindern.“