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Gedenktafel erinnert an jüdische Pfadfinder in Saarlouis

02.09.2019

Von: Sascha Schmidt


Über sie ist nahezu nichts bekannt, nicht einmal ihre Namen, doch ein Wimpel zeugt von ihrem einstigen Bestehen: Vor der Schreckensherrschaft des NS-Regimes gab es in Saarlouis eine Gruppe jüdischer Pfadfinder. An sie erinnert nun eine Gedenkplakette neben der ehemaligen Synagoge im Postgässchen.



Im Rahmen einer Feierstunde wurde die neue Gedenktafel enthüllt. Von links: Landtagspräsident Stephan Toscani, F+F-Vorsitzender Hans Enzinger, Richard Bermann, Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar, OB Peter Demmer und Roland Rixecker, Antisemitismusbeauftragte des Saarlandes Fotos: Sascha Schmidt

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Mit einer neuen Gedenktafel im Postgässchen erinnern die Freunde und Förderer der DPSG im Saarland (F+F) an die ermordeten oder vertriebenen jüdischen Pfadfinder in Saarlouis. In einer Feierstunde wurde die Tafel gemeinsam mit zahlreichen Vertretern des öffentlichen Lebens offiziell enthüllt. Dabei hob der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann, hervor, dass  jüdische und christliche Pfadfinder über religiöse Grenzen hinweg miteinander verbunden waren – und zwar im Gedanken von Gemeinschaft, Freundschaft und Hilfsbereitschaft.

 

Landtagspräsident Stephan Toscani wies auf die zwei Zielrichtungen des Erinnerns hin: Zum einen sei dies die Erinnerung an die vertriebenen und ermordeten Jugendlichen selbst, zum anderen aber auch die Bedeutung des Gedenkens für Gegenwart und Zukunft. Das bekräftigte auch OB Peter Demmer: „Es ist unsere Aufgrabe das Gedenken mit Leben zu füllen. Dass wir nicht nur an einem Gedenkstein inne halten, sondern dass wir unsere Solidarität leben und uns aktiv für ein gewaltfreies Miteinander stark machen.“ Gerade weil immer wieder auch Fakten und Tatsachen lauthals infrage gestellt würden, sei eine lebendige Erinnerungskultur wichtig. „Wir müssen dafür eintreten, dass Geschichte nicht umgedeutet wird, um damit neuen Hass zu schüren“, betonte Demmer.

Die neue Gedenktafel ist dazu ein wichtiger Schritt. „Pfandfinder sind politisch“, erklärte F+F-Vorsitzender Hans Enzinger. „Wir haben eine Stimme und die müssen wir als Pfadfinder erheben, wenn wieder Hakenkreuze gesprüht werden.“ Nach Jahren des Friedens in Europa, „dürfen wir nicht satt, schläfrig und inaktiv werden.“

 

Auch F+F-Ehrenmitglied Dr. Anton Markmiller, der Antisemitismusbeauftragte des Saarlandes, Roland Rixecker, Landrat Patrik Lauer sowie zahlreiche Landes- und Kommunalpolitiker und Altpfadfinder nahmen an der Feierstunde zur Enthüllung der Gedenkplakette teil. In einem umfangreichen Referat betrachtete Patrick Trautmann zudem das Verhältnis von bündischen Bewegungen und Antisemitismus vor und während des Dritten Reiches.