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StreamLesung mit Ralph Schock ist noch bis dieses Wochenende kostenlos abrufbar

29.04.2021

Von: Georg André


Die StreamLesung der Stadtbibliothek Saarlouis und der Ludwig Galerie Saarlouis ist für alle, die sie noch nicht gesehen haben, noch bis Sonntag, 02. Mai 2021 kostenlos über den YouTube Kanal der Kreisstadt Saarlouis abrufbar.



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Der Autor und Herausgeber Ralph Schock stellt sein neuestes Werk "Also heraus und weit weg! Expressionismus - Eine Epoche und die Saarregion" im Gespräch mit der Leiterin der Ludwig Galerie Saarlouis, Dr. Claudia Wiotte-Franz, vor.

 

Expressionismus und die Saarregion verband man bisher nicht so sehr, weder in der Kunst- noch Literaturwelt. Ralph Schock hat sich diesem bisher wenig bekannten Zusammenhang angenommen und daraus ein interessantes Lese- und Bilderbuch zusammengestellt. Er stellt Autoren vor, die aus der Saarregion stammten oder zeitweise dort lebten und die für bedeutende Verlage und Zeitschriften des Expressionismus schrieben.

 

Interessant sind besonders dabei die Autoren und Künstler, die leider vergessen sind oder nur noch Kunstliebhabern bekannt sind. Alfred Döblin kennt man, aber wer kennt noch Hans Koch, ein enger Freund der Autoren Otto Flake und Ernst Stadler, geboren in St. Avold. Das Hauptaugenmerk der Lesung in Saarlouis lag auf den Vettern Richard Maximilian und Fritz Max Cahén; jüdische Saarlouiser Mitbürger und Autoren, die als bekannte Gegner des Nationalsozialismus nach 1933 aus Deutschland fliehen mussten. Ralph Schock wird ihre Lyrik und Prosa, aber natürlich auch ihre Lebensgeschichten vorstellen. Sie und ihre Familien wurden verfolgt und zur Flucht getrieben, aus den Orten und Städten, die davor noch ihre Familien als Teil der Bürgerschaft geschätzt hatten. So waren der Vater und der Großvater von Richard Maximilian Cahén Saarlouiser Stadtverordnete.

 

Moses Cahén, sein Großvater, erbaute vor seinem Umzug nach Saarlouis die Hüttersdorfer Synagoge. Moses Cahéns anderer Enkel, Richard Cahéns Vetter Fritz, war Sohn des Saarlouiser Kaufmanns Eugen Cahén / Kahn. Dieser war Vorstandsmitglied und Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr Saarlouis und Gründungsmitglied des "Verbandes der freiwilligen Feuerwehren des Kreises Saarlouis". Er starb 1910 und ist auf dem jüdischen Friedhof in Dillingen-Diefflen begraben. Fritz Max Cahén verlies früh seine saarländische Heimat, um in Marburg und Paris zu studieren. Seit 1913 lebte er als Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur in Berlin. Von 1915 bis 1918 arbeitete er als Korrespondent der "Frankfurter Zeitung" in Kopenhagen. Danach war er Persönlicher Referent für Pressefragen beim Staatssekretär des Äußern, so sein offizieller Titel, und in dieser Funktion Chef des Presseamts unter dem von Dezember 1918 bis Juni 1919 amtierenden ersten Außenminister der Weimarer Republik, Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau. In dessen Begleitung reiste er als Mitglied der Regierungsdelegation zur Weimarer Nationalversammlung und der deutschen Friedensdelegation nach Versailles.

 

Die Europastadt Saarlouis will mit diesen Stream die Aufmerksamkeit auf ihre ehemaligen jüdischen Mitbürger lenken und deren Beitrag zur Kultur und Geschichte würdigen. Sie ist Stolz darauf, dass diese Veranstaltung eingebunden ist in das bundesweite Festjahr #2021JLID, das der Verein "321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V." mit seiner Geschäftsstelle in Köln organisiert und koordiniert. Hintergrund ist, dass der römische Kaiser Konstantin am 11. Dezember 321 ein Edikt erließ. Dieses Gesetz besagte, dass Juden städtische Ämter in den Kurien, den römischen Stadträten, bekleiden durften und sollten. Das Edikt Konstantins, das in einer Abschrift in der Bibliothek des Vatikans aufbewahrt wird, ist somit das früheste schriftliche Zeugnis über jüdisches Leben in Mittel- und Nordeuropa. Es belegt, dass jüdische Gemeinden bereits seit der Spätantike wichtiger integrativer Bestandteil der europäischen Kultur sind. Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden also nachweislich seit mindestens 1700 Jahren auf dem Territorium des heutigen Deutschlands.

 

"Wir freuen uns sehr über den Beitrag der Stadtbibliothek Saarlouis und der Ludwig Galerie Saarlouis", würdigt Andrei Kovacs, der leitende Geschäftsführer aus Köln, den Beitrag aus Saarlouis als "Bereicherung des Festjahres". Dieses lebe von der starken regionalen Verankerung in ganz Deutschland, unterstreicht die Generalsekretärin des Vereins 321, Sylvia Löhrmann. "Das Judentum ist konstitutiv für Deutschland. Das wird mit diesem Projekt veranschaulicht und trägt dazu bei, möglichst viele Menschen konkret anzusprechen." Im Festjahr #2021JLID koordiniert der Verein 321 mit großer Unterstützung des Bundes, verschiedener Bundesländer und Kommunen sowie aus der Zivilgesellschaft bundesweit rund 1000 Aktionen und Kulturevents, die dazu beitragen sollen, kulturelle, politische und interreligiöse Debatten innerhalb der Gesellschaft anzustoßen und deutliche Zeichen gegen den wachsenden Antisemitismus zu setzen. Das Festjahr startete bundesweit mit der TV-Ausstrahlung des Festakts, an dem unter anderem der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Schirmherr des Festjahres teilnahmen.

 

Seit Jahresbeginn sind der wöchentliche Podcast #2021JLID zum Thema "Jüdisches Leben heute in Deutschland" von Shelly Kupferberg, Mirna Funk und Miron Tenenberg, die Online-Ausstellung "Jewersity" von Jan Feldman sowie eine Video-Reihe in Kooperation mit dem "Bubales"-Puppentheater aus Berlin über jüdische Feiertage im Festjahr online zu finden. Ein Überblick über das bundesweite Jahresprogramm findet sich hier: https://2021jlid.de/programm/ Premiere der StreamLesung aus Saarlouis war am Donnerstag, dem 18. Februar 2021. Sie ist kostenlos abrufbar auf dem YouTube Kanal der Kreisstadt Saarlouis (www.youtube.com/EuropastadtSaarlouis). Der Zugriff ist noch bis 02. Mai 2021 möglich.