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Auch Nicaragua hat ein Saarlouis

24.11.2011


Neben den Städtepartnerschaften zu Eisenhüttenstadt und Saint- Nazaire unterhält die Stadt Saarlouis eine Projektpartnerschaft zu Matiguás in Nicaragua. Das 25-jährige Bestehen wurde nun im Stadtgartengymnasium mit hochinteressanten Beiträgen gefeiert.



Oberbürgermeister Roland Henz (2.v.l.) begrüßte Zeitzeugen und Förderer der Projektpartnerschaft im Stadtgartengymnasium. Fotos: Petra Molitor

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Nicaragua ist ein zentralamerikanischer Staat und grenzt an Costa Rica und Honduras. Übersetzt heißt der Landesname „hier sind Menschen“. Menschen, die trotz kriegerischer Auseinandersetzungen und einer meist schlechten Wirtschaftslage in ihrer Region nie ihre Lebensfreude, ihren Mut und ihre Gastfreundschaft verloren haben. Und genau diese Lust am Leben sollte die Vorführung der Artistik-AG des SGS zu den temperamentvollen Klängen von „La cucaracha“ demonstrieren, mit der man ins offizielle Jubiläumsprogramm startete. Anschließend begrüßte Schulleiterin Sabine Blatt die zahlreichen Gäste, die sich in der Aula eingefunden hatten. „Das Gymnasium am Stadtgarten pflegt zahlreiche Schulpartnerschaften in Europa und weltweit, globale Verantwortung und soziales Engagement sind ein wichtiger Bestandteil unserer Schulphilosophie“, so Blatt.


Sie übergab das Wort an Oberbürgermeister Roland Henz. Dieser bedankte sich, dass die Wanderausstellung zum Thema, konzipiert von der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgesellschaft (GBS) und der DESWOS (Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e. V.), zunächst im SGS gezeigt werden kann, bevor sie an andere weiterführende Schulen weitergegeben wird.
„Wo sollte man diese Fotografien besser zeigen, als ein eine Ort, an dem junge Menschen unterrichtet werden?“, fragte Henz. Und sagte weiter: „Der Weg, den Stadt, Willi Heible, Engelbert Feld von der GBS, ihr Team und die DESWOS über Jahre zusammen gegangen sind, muss in der Zukunft von euch gestaltet werden, denn nur so haben die Menschen in Matiguás die Chance auf ein besseres Leben“, richtete er das Wort an die anwesenden Schüler. Diesem Aufruf folgte auch Winfried Clever, Projektbetreuer für Saarlouis bei der DESWOS. Gleichzeitig berichtete er über die geografischen, wirtschaftlichen und politischen Probleme in Nicaragua, das noch immer weit von einer demokratischen Struktur entfernt ist. Große Armut, Korruption und Günstlingswirtschaft sind an der Tagesordnung.


Interessante Zeitzeugenberichte vermittelten einen Einblick in Land und Leute


Wie schwierig die Verhältnisse vor Ort waren – und auch heute noch sind – und welcher ständigen Bedrohung man dort ausgesetzt ist, erfuhr eine zehnköpfige Saarlouiser Delegation im Jahr 1988 bei einem Besuch in Matiguás am eigenen Leib. Hubert Ulrich und Hans-Jörg Schu waren damals dabei und schilderten ihre Eindrücke. Ulrich, Initiator der Projektpartnerschaft zwischen Saarlouis und Matiguás, berichtete anhand eines kurzen selbstgedrehten Films von den Anfängen und schilderte die politischen Verhältnisse. Ziel der Partnerschaft war es, neben der Unterstützung der Bevölkerung durch Geld- und Sachspenden, eine „Öffentlichkeit“ herzustellen, um die willkürlichen und brutalen Übergriffe der „Contras“ auf die Zivilbevölkerung zu unterbinden. Den konkreten Kontakt zu Matiguás hatte damals die nicaraguanische Botschaft hergestellt.


Hans-Jörg Schu hatte ein Reisetagebuch geführt, aus dem er viel Nachdenkliches, aber ebenso viel Fröhliches vorlas. So erfuhr man, dass die Besucher damals selbst bei den Bauarbeiten für eine neue Wasserversorgung Hand anlegten, aber auch, dass Schu ein „begnadeter“ Reiter ist, der die deutschen Farben bei einem landestypischen Wettkampf hochhielt.
Nach den persönlichen Schilderungen brachten Engelbert Feld, Geschäftsführer der GBS, und Wilfried Clever die Zuhörer auf den aktuellen Stand der Entwicklung in Matiguás von 1988 bis heute. Anhand von Fotomaterial präsentierten sie die beiden Wohnungsbauprojekte am Stadtrand von Matiguás (40 Häuser) und in den ländlichen Gebieten in Pancasan und Sitio histórico (80 Häuser), die der dortigen Bevölkerung ein Leben in Würde und Sicherheit ermöglichen. Die neuen Hauseigentümer werden bei jeder Maßnahme in die Planungen mit einbezogen, müssen Eigenleistung erbringen, einen Teil der Baukosten selbst finanzieren und sind für die Umfeld-Gestaltung verantwortlich. Zum Projekt gehören auch Aufforstungsmaßnahmen und die Schulung im verantwortungsvollen Anbau von Frucht- und Nutzpflanzen. Eine weitere wichtige Verbesserung ist die Einrichtung von sicheren und erhöhten Kochstellen mit kleiner Feuernische, da so Brennholzressourcen gespart und die Verbrennungsgefahr für Kleinkinder um ein Vielfaches reduziert wird.
„Alle Maßnahmen wurden mit Spendengeldern und der finanziellen Unterstützung der Stadt, GBS und DESWOS finanziert“, resümierte Engelbert Feld. Kein Wunder also, dass eine der Siedlungen von den Einheimischen den Namen „Saralouis“ erhielt. In den Jahren 2010 und 2011 wurde eine Grundschule, deren Dach dem Hurrikan Felix zum Opfer gefallen und deren Inneneinrichtung und Toilettenanlage in beklagenswertem Zustand waren, komplett renoviert. Eine weitere Grundschule wurde in La Cusuca neu gebaut.


Spenden sind nach wie vor dringend erforderlich


„Die Arbeit wird uns in den nächsten Jahren nicht ausgehen“, meinte Projektbetreuer Winfried Clever. „Der Bürgermeister von Matiguás würde sich weitere 70 (!) Schulen in der landkreisähnlichen Struktur der Gemeinde Matiguás wünschen, wenn es die notwendigen Mittel dazu gäbe“, erläuterte Winfried Clever. Im Anschluss an die Veranstaltung in der Aula fand in der Pausenhalle die offizielle Eröffnung der Wanderausstellung statt. Der Weltladen „La Tienda“ aus der Weißkreuzstraße war mit einem kleinen Verkaufsstand vertreten. cb / pm


Spenden für weitere Projekte in Matiguás können auf folgendes Konto überwiesen werden:


DESWOS / Sparkasse Köln Bonn (BLZ 370 501 98) / Konto Nr. 660 22 21 / Verwendungszweck: Matiguás

 


Autorinnen: Christiane Bähr / Petra Molitor


 

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