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„Ludere et laetari“ in der Ludwig Galerie Saarlouis: Sammler-Ehepaar Giebel verabschiedet sich mit Werken aus vier Jahrzehnten

15.09.2021

Von: Petra Molitor


Man wird ihn vermissen: Bernhard Giebel und seinen fast schon legendären Satz und Running-Gag “ Ich verstehe ja nichts davon“. Davon, damit ist die Kunst gemeint. Sein Understatement in allen Ehren, aber hier muss heftig widersprochen werden. Der ehemalige Richter und seine Frau Ursula zählen zu den bedeutendsten Kunstsammlern- und unterstützern der Großregion. Ihr 1978 ins Leben gerufener „Treffpunkt Kunst“ bereicherte und prägte das kulturelle Leben in Saarlouis mehr als 40 Jahre. Nun sagen sie mit einer beeindrucken Retrospektive „Auf Wiedersehen“.



Claudia Wiotte-Franz, Marcel Giebel, Ursula Giebel, Günter Melchior, Michaela Mazurkiewicz-Wonn, Bernhard Giebel Mitte September bei der Ausstellungseröffnung „Ludere et laetari“ (v. l. n. r.). Fotos: Petra Molitor

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"Ludere et laetari", "spielen und sich freuen" lautet der Titel der Ausstellung mit annähernd 100 Bildern und Skulpturen, die noch bis 28. November in der Ludwig-Galerie Saarlouis zu sehen ist. Benannt ist sie nach einem Werk des 1901 in Belgien geborenen Malers Michel Seuphor, einem engen Freund des Ehepaares, präsentiert werden rund 80 Künstlerinnen und Künstler, die über die Jahre im "Treffpunkt Kunst" vertreten waren.

 

Und der Rundgang durch die farbenfrohen, ausdrucksstarken und vielfältigen Exponate ist "einfach nur großartig und bemerkenswert", wie es der Saarlouiser Beigeordnete Günter Melchior in seiner Rede anlässlich der Vernissage ausdrückte. "Der" Vernissage ist allerdings eigentlich falsch, plante und koordinierte das engagierte Team der Ludwig Galerie Saarlouis unter Leitung von Dr. Claudia Wiotte-Franz doch ganze drei komplett ausgebuchte Termine zur Eröffnung, um unter Corona-Bedingungen allen Interessenten einen Sitzplatz anbieten zu können. Dieses Konzept war bisher einzigartig in der Geschichte des Museums.

 

"Treffpunkt Kunst" bedeutete jährlich zwei Ausstellungen mit Vertretern der konkret-konstruktiven Kunst sowie der neuen französischen Malerei, eine im Frühjahr, eine im Herbst. Vier Jahrzehnte bedeuteten auch vier Standorte: Von der Silberherzstraße über den Kunstraum im Theater am Ring, zum Museum Haus Ludwig und nun zum Ausklang in der Ludwig Galerie in der Kaserne VI. Erlauben Sie mir einen kleinen Rückblick: "Treffpunkt Kunst" war und ist international und weltoffen. "Treffpunkt Kunst" hat den Namen unserer Stadt durch die Kontakte zu französischen, italienischen, luxemburgi-schen, chilenischen, amerikanischen, japanischen und chinesischen Künstlerinnen und Künstlern weltweit bekannt gemacht. Treffpunkt Kunst" sind aber auch die vielen Sammler, Kunstliebhaber, Kunstwissenschaftler, Museumsleute und die zahlreichen Besucherinnen und Besucher aller Altersstufen, die immer wieder mit Begeisterung und Neugier auf die Entdeckungsreise zur "Lyrik und Geometrie" gingen", führte Günter Melchior aus und bedankte sich herzlich im Namen der Kreisstadt Saarlouis für diese außerordentlich geschätzte Initiative bei Bernhard und Ursula Giebel.

 

"Kennengelernt habe ich Bernhard und Ursula Giebel vor über 25 Jahren im Rahmen meines ersten Projektes, der Platzgestaltung des zukünftigen Richard-Nospers-Platzes mit einem Objekt von Otto Herbert Hajek", erinnerte sich Dr. Claudia Wiotte-Franz. "Darauf folgte zwischen uns eine regelmäßige, fruchtbare und sehr angenehme Zusammenarbeit, die mich stets begeistert hat. Als Bernhard Giebel andeutete, den "Treffpunkt Kunst" beenden zu wollen, konnte und wollte ich das nicht glauben", so die Museumsleiterin. Umso mehr freue sie sich, dass nun doch noch - nach mehrmaligem Aufschieben aufgrund der Pandemie - diese letzte große Ausstellung stattfinden kann.

 

Im Anschluss führte die Kunsthistorikerin Dr. Dr. Michaela Mazurkiewicz-Wonn in die Ausstellung und das titelgebende Motto "Ludere et laetari" von Michel Seuphor ein. Sie würdigte Bernhard Giebel als "einen, der immer mit einem schelmischen Augenzwinkern jeglichen wissenschaftlichen Sachverstand in Richtung Kunst abstritt", der aber im "System Giebel" mit einem ausgeprägten Sinn und einem sicheren Instinkt für Formen und Farben dazu einlud, die Welt immer wieder mit Freiheit im Denken zu entdecken, sich einfach nur berühren zu lassen, zu spielen und sich einfach nur zu freuen".

 

Als Vertreter der Familie ergriff Marcel Giebel, Sohn des Ehepaares, das Wort. Sein Vater wolle diesen Anlass gerne aus anderer, eigener Perspektive erleben. "Schon in meiner Kindheit und Jugend wurde ich mit der unbeirrbaren Leidenschaft meiner Eltern für die Faszination Kunst angesteckt. "Aus allen Himmelsrichtungen, über alle Schlagbäume hinweg, kamen die Künstlerinnen und Künstler zu uns, das waren großartige, unvergessliche, Erlebnisse. Ich habe tiefsten Respekt vor dem, was mein Vater und meine Mutter gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Ihr habt der Kunst unserer Zeit ein Forum gegeben und internationales Flair an die Saar gebracht. ", so Giebel.

 

Ja, das haben sie. Mit Worten ist diese Leistung kaum zu würdigen. Und deswegen einfach: Danke und alles Gute für die Zukunft!


 

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