Saarlouis: Staatsbesuch aus Südkorea im Rathaus Saarlouis

Presse / Pressearchiv  /  Info

Staatsbesuch aus Südkorea im Rathaus Saarlouis

22.12.2009


Drei hochrangige Beamte aus dem Wiedervereinigungsministerium der Republik Korea waren kürzlich in Begleitung eines Dolmetschers im Saarlouiser Rathaus zu Gast, um sich Informationen über die Entstehung und Entwicklung der ersten deutsch-deutschen Städtepartnerschaft zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt einzuholen.



Beamte aus Südkorea informierten sich in Saarlouis über die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft. Foto: Petra Molitor

Für Oberbürgermeister Roland Henz war es ein denkwürdiger Augenblick: „Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass unsere Städtepartnerschaft auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch einmal auf internationaler Ebene von sich reden macht und als Beispiel zitiert wird. Das liegt eben daran, dass in unsere Beziehungen zu Eisenhüttenstadt Alltag und Normalität eingekehrt ist und sich insbesondere die jungen Menschen kaum noch vorstellen können, dass die Menschen in West- und Ostdeutschland in zwei unterschiedlichen politischen Systemen getrennt voneinander lebten und Besuche und Kontakte angesichts einer streng bewachten Grenze nicht möglich waren.“

Genau dies ist aber der Fall auf der Koreanischen Halbinsel, die seit 1948 in Nordkorea (Demokratische Volksrepublik Korea) und Südkorea (Republik Korea) geteilt ist. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten sind schwierig, politischer Dialog und  Annäherungsversuche erlebten im Laufe der Jahre immer wieder Rückschläge. Das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium möchte den Dialog behutsam vorantreiben und sucht deshalb Rat bei „Erfahrenen“. In diesem Kontext führte die Reise die Herren Kim, Yang und Lee auch nach Saarlouis – in der Überzeugung, dass Kommunalpartnerschaften einen wichtigen Beitrag zur Annäherung der Bürgerinnen und Bürger leisten und somit Motivation sowie ein positives Klima für das (Wieder-)Zusammenwachsen von Staaten schaffen können.

Der Besuch war akribisch vorbereitet, die Beamten waren über die Partnerschaft von Saarlouis und Eisenhüttenstadt bereits bestens vorinformiert, was auf Saarlouiser Seite zum Teil ungläubiges Staunen hervorrief. Herr Kim erklärte: „Das kann man bei uns in den Geschichtsbüchern nachlesen, Ihre Partnerschaft ist bei uns sehr berühmt“.
Die Liste der Fragen, die die Herren beschäftigte, war lang: „Wer hat die Partnerschaft initiiert? Aus welchem Grunde? Wie kam der Vertragstext zustande? Wie wurde er verhandelt, war er ideologisch motiviert? Welche Rolle spielten die Regierungen bei den Verhandlungen? Wie gestalteten sich die ersten Begegnungen, welchen Kontrollen waren diese unterworfen?“, um nur einen Auszug aus dem Fragenkatalog zu erwähnen. Oberbürgermeister Roland Henz und Hauptamtsleiter Armin Thirion gaben bereitwillig Auskunft und hatten dabei ein wenig das Gefühl, vielleicht ein zweites Mal am großen Rad der Geschichte mitdrehen zu können.

Am meisten beeindruckt waren die Gäste von der Aussage, dass von Saarlouis in all den Jahren kein Geld nach Eisenhüttenstadt geflossen ist und von dort auch niemals finanzielle Hilfestellung eingefordert wurde. „Es gab Zuschüsse für Fahrten und für die Unterbringung von Gruppen und insbesondere nach der Wende in einigen Bereichen auch technische Hilfe, wenn z. B. EDV-Ausrüstung oder medizinische Geräte nach Eisenhüttenstadt gebracht wurden“, erläuterte Armin Thirion. „Die größte Unterstützung konnten wir aber mit unserer Erfahrung beim Aufbau demokratischer Strukturen leisten“.

Diesen Erfahrungswert wollten die südkoreanischen Beamten auf jeden Fall mit zurück nach Korea nehmen und damit denjenigen begegnen, die einer Wiedervereinigung kritisch gegenüberstehen.

Mit einer Chronik, einer Dokumentation und der Partnerschaftsurkunde ausgerüstet, setzten die Herren ihre Reise fort, auf der sie noch weitere geschichtsträchtige Orte der deutschen Wiedervereinigung ansteuerten: nach Saarlouis standen noch Helmstedt, Görlitz, Dresden und natürlich Berlin auf dem Programm der Delegation.

Oberbürgermeister Henz verabschiedete die Gäste herzlich und wünschte Ihnen viel Erfolg für ihre Mission. Wenn einmal die erste Kommunalpartnerschaft auf der Koreanischen Halbinsel besiegelt wird, wird man in Saarlouis sehr genau hinhören und vielleicht auch ein wenig stolz sein.


 

Kontakt

  • Kein
    Ansprechpartner

Karte

  • Stadtrundgang
  • Rathaus
  • Orte
  • Sonstige
  • Sportstätten
  • neue Cat