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05.11.2026

Die Europastadt Saarlouis eröffnet Radpark mit bundesweitem Vorbildcharakter

Drei Fahrbereiche bieten Fahrspaß für Kinder, Anfänger und erfahrene Radsportler. Mit seinem Parkcharakter lädt das kostenfreie Angebot auch zum Zuschauen und Verweilen ein. Der vorhandene Baumbestand bleibt erhalten und wird durch weitere Pflanzungen ergänzt.

Die Europastadt Saarlouis hat einen neuen Treffpunkt für Sport und Freizeit. Im Sportzentrum „In den Fliesen“ wurde Deutschlands wohl größter Radpark eröffnet. Nahe der Kletterhalle an der St. Nazairer Allee verbinden ein Asphalt-Pumptrack, ein Dirtpark und eine eigene Strecke für Kinder und Anfänger unterschiedliche Möglichkeiten, sich auf Rädern zu bewegen. Zugleich bietet das parkartig gestaltete Gelände Raum für Begegnungen, gemeinsame Ausflüge und Pausen im Grünen. Die Nutzung ist kostenfrei.

Oberbürgermeister Marc Speicher, Bürgermeister Carsten Quirin und Beigeordneter Gerald Purucker eröffneten die Anlage gemeinsam mit dem saarländischen Innenminister Reinhold Jost. Hunderte Besucher kamen zur Eröffnung, darunter Vertreter des Stadtrates, des Landtages und bekannte Pumptrack-Sportler. Unmittelbar nach den Vorführungen und der offiziellen Freigabe zog es viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene selbst auf die Bahnen. Speicher hob hervor, dass die Europastadt Saarlouis neben dem Vereins- und Spitzensport insbesondere den Breitensport fördere. Dafür schafft der frei zugängliche Radpark ein Angebot über Altersgrenzen hinweg.

 

Fahrspaß vom ersten Versuch bis zum großen Sprung

Der Asphalt-Pumptrack verfügt über 1.870 Quadratmeter Asphaltfläche mit Wellen und Steilkurven. Durch rhythmisches Beugen und Strecken von Armen und Beinen, das sogenannte Pumpen, bauen die Fahrer Geschwindigkeit auf. Wer die Bewegungen auf die Strecke abstimmt, kann den Rundkurs ohne zusätzliches Treten bewältigen. Das fordert Gleichgewicht, Koordination und die Beherrschung des eigenen Sportgeräts.

Der asphaltierte Bereich lässt sich mit unterschiedlichen Rollsportgeräten nutzen - vom Laufrad über Roller, Inlineskates und Skateboard bis zum Fahrrad. Ein klar abgegrenzter Anfängerbereich mit kleineren Wellen und niedrigeren Kurven bietet Kindern und Einsteigern Raum für erste Versuche. Auch die Barrierefreiheit war schon in der Planungsphase wichtig. Nicht nur die Zuwege sind barrierefrei gestaltet, die Strecke ist auch mit dem Rollstuhl befahrbar.

Der Dirtpark mit seiner wassergebundenen Wegstrecke ist ausschließlich für geländegängige Fahrräder geeignet. Drei Strecken bieten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Die Sprungstrecke „Braco“ umfasst rund 500 Meter Fahrlänge und drei große Sprünge. Die rund 200 Meter lange „Fiore“ bietet Sprünge mit Richtungswechsel. Für Anfänger ist die 60 Meter lange „Fausto“ als flüssig fahrbare Strecke angelegt. Über den Rückweg „Tamo“ gelangen die Biker wieder zum Starthügel.

Wie vielseitig der Sport ist, zeigten bei der Eröffnung unter anderem Christoph Schlegel, Paula Schatte, Anika Psyk und Luca Eckhardt. Letzterer ist deutscher Pumptrack-Vizemeister vom VC Darmstadt und hatte sogar beim Bau der Anlage mitgewirkt. Bei seinen spektakulären Showfahrten demonstrierte er eindrucksvoll die vielfältigen Möglichkeiten und Herausforderungen der Strecke. Darüber hinaus gab er Interessierten wertvolle Praxistipps und unterstützte weniger erfahrene Fahrerinnen und Fahrer bei ihren ersten Runden auf der Strecke.  So bot die Eröffnung Gelegenheit, den Sport kennenzulernen und unmittelbar selbst auszuprobieren. Auf der gesamten Anlage besteht Helmpflicht.

 

Ein Park auch für Menschen ohne Fahrrad

Zur Gesamtfläche von 1,5 Hektar gehören neben den Fahrstrecken auch Zuwegungen und Aufenthaltsbereiche. Zahlreiche Sitzgelegenheiten laden zum Pausieren ein. Von höher gelegenen Plätzen aus können Eltern, Freunde und Zuschauer das Geschehen auf den Bahnen verfolgen. Quirin betonte, der Radpark solle ein Ort sein, an dem die Bürger gerne ihre Freizeit verbringen - auch ohne Fahrrad. Die benachbarte Skateanlage und die Kletterhalle ergänzen das Angebot.

Besonderen Wert legte die Stadt auf den Erhalt des Baumbestands. Vor allem im Dirtpark wurden die Strecken um vorhandene Bäume herumgeführt. Für die Anlage wurden keine größeren Bäume gefällt. Die alten Bäume prägen den Parkcharakter und spenden im Sommer Schatten. Weitere Baum- und Strauchpflanzungen sollen in Kürze folgen.

 

Licht bei Bedarf und Toiletten in der Nachbarschaft

Damit der Asphalt-Pumptrack auch bei Dunkelheit genutzt werden kann, lässt sich die LED-Beleuchtung bei Bedarf bis 22 Uhr aus dem Stromsparmodus wieder einschalten. Die Steuerung erfolgt mit dem eigenen Smartphone über „Bliggit“, die Saarlouiser City- und Bürger-App. Nach der vorgesehenen Leuchtdauer schaltet sich das Licht automatisch wieder aus; die Nutzung kann vorher verlängert werden. Die smarte Steuerung wurde gemeinsam mit den Stadtwerken Saarlouis im inzwischen abgeschlossenen Förderprojekt „5G-SLS“ entwickelt. Sie spart Energie, reduziert Lichtverschmutzung und verbindet digitale Innovation mit nachhaltigem Klimaschutz.

Besuchern stehen Toilettenanlagen beim benachbarten SSV Saarlouis öffentlich zur Verfügung. Die Stadt bittet darum, die ausgeschilderten Parkplätze am ehemaligen Wohnmobilstellplatz an der Einfahrt zur Sporthalle „In den Fliesen“ zu nutzen. Von dort führen kurze, barrierefreie Wege zum Radpark. So bleiben die Parkbereiche der Kletterhalle und des Fußballvereins für deren Nutzer verfügbar.

 

Gemeinsam geplant, finanziert und gebaut

Die Gesamtkosten für Planung und Bau einschließlich der Beleuchtung belaufen sich auf rund 830.000 Euro. Bürgermeister Carsten Quirin dankte allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit und dem Land für die finanzielle Unterstützung. Die Förderung mit einer Bedarfszuweisung von 75 Prozent habe wesentlich zur Umsetzung beigetragen. Das Projekt zeige, was entstehen könne, wenn Stadt und Land Hand in Hand arbeiteten. Innenminister Reinhold Jost würdigte die Investitionen der Europastadt Saarlouis in den Sport, darunter die Stadtgartenhalle mit ihrem LED-Glassportboden und den Radpark.

Erste Ideen für den Radpark gab es 2023. Mit besonderem Engagement des städtischen Fachamtes unter Leitung von Mario Natale und Projektleiterin Christina Lambert folgte auf die Planungsphase von Mai 2025 bis Mai 2026 eine sehr zügige Bauphase von August bis Oktober 2026. Durch ein benachbartes Bauprojekt der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GBS Saarlouis GmbH und die Bereitstellung der benötigten Erdmassen konnten erhebliche Einsparungen erzielt werden, die größere Investitionen in die Anlage ermöglichten.

Zum fristgerechten Abschluss trug die konstruktive Zusammenarbeit mit Fachplaner Nico Reuter von Ecoparc Concepts sowie mit den Baufirmen Konrad Willar (Pumptrack.de) und Tom Haacke GmbH bei.

Der zuständige Baudezernent und verantwortliche Beigeordnete Gerald Purucker freute sich besonders darüber, dass die Strecken in die vorhandenen Gelände- und Grünstrukturen eingebunden werden konnten. Im Winter werden noch 21 zusätzliche heimische Bäume und 80 Solitärsträucher gepflanzt. Er dankte den Planern, ausführenden Firmen und beteiligten Mitarbeitenden für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes in nur drei Monaten. Hervor hob er die reibungslose Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Stadtverwaltung sowie die Unterstützung der benachbarten Kletterhalle während der Bauphase.

 

Welche Bedeutung der Radpark für die Stadt hat, fasste Purucker mit einem Appell an die künftigen Nutzer zusammen. „Wir investieren hier nicht in eine Sportanlage, sondern in Lebensqualität, Jugend, Freizeit und die Attraktivität unserer Stadt.  Damit setzen wir ein bundesweites Zeichen! Der Park gehört ab heute euch allen zur kostenfreien Nutzung, bitte geht sorgsam damit

   

    

   

    

Fotos: Dominik Eder