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Junge Botschafter*innen

Für ein Jahr als Junge*r Botschafter*in nach Saint-Nazaire?


Kreisstadt Saarlouis bietet wieder einen deutsch-französischen Freiwilligendienst in der Partnerstadt an

Bereits zum vierten Mal haben junge Leute im Alter von 18-25 Jahren im Rahmen eines deutsch-französischen Freiwilligendienstes die Gelegenheit, für ein Jahr in der Partnerstadt Saint-Nazaire als junge*r Botschafter*in Praxiserfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit zu sammeln und sich beruflich zu orientieren.
Die Jungen Botschafter*innen bekommen verantwortungsvolle Aufgaben in der Städtepartnerschaftsarbeit übertragen, sie organisieren eigenständig internationale Begegnungen und Aktivitäten, befassen sich mit europäischen Themen und Werten und haben die Möglichkeit, ihre ganz eigenen Projekte auf die Beine zu stellen, um junge Menschen aus Saint-Nazaire und Saarlouis zusammenbringen. Eine der Hauptaufgaben wird es sein, das erste deutsch-französische Jugendparlament der beiden Partnerstädte zu organisieren.
Beginn der Maßnahme ist am 01. September 2022, die Umsetzung der Projekte erfolgt im Tandem mit einer/einem gleichaltrigen Partner*in aus Saint-Nazaire, der/die zeitgleich in Saarlouis arbeitet.
Integraler Bestandteil der Maßnahme sind auch insgesamt vier Begleitseminare, die vom Deutsch-Französischen Jugendwerk organisiert und finanziert werden. Bedingung für eine Bewerbung sind gute Französisch-Kenntnisse und eine hohe Motivation für ein Engagement in den deutsch-französischen und europäischen Beziehungen.

Bewerbungsschluss ist der 31. Mai 2022. Informationen bei: Christiane.Baehr@saarlouis.de, Tel. 06831/443-246.

Unser letztes Team Félicia Rocher (aus Saint-Nazaire) und Matthias Altmeyer (aus Saarlouis) © Petra Molitor

Unser letztes Team Félicia Rocher (aus Saint-Nazaire) und Matthias Altmeyer (aus Saarlouis) © Petra Molitor

Städtepartnerschaftsbegegnungen – trotz Corona: Projekt „Sport und Diskriminierung“ der Jungen Botschafter*innen

Es war eine sehr lange Durststrecke für alle Städtepartnerschaften: 18 Monate lang konnten keine Begegnungen stattfinden, keine Austausche, keine Delegationen, keine Treffen. Auch wenn während der Corona-Pandemie vielfältige Projekte online sowie Kontakte in virtueller Form stattgefunden haben, hat doch alles gefehlt, was Partnerschaften und Freundschaften ausmacht: Das persönliche gemeinsame Kennenlernen, Entdecken, Erleben und Leben.

Das Projekt „Sport und Diskriminierung“, das in der Woche vor den Sommerferien 2021 in Saarbrücken und Saarlouis organisiert wurde, war somit in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Es war die erste physische Begegnung für junge Erwachsene aus den Partnerstädten seit Ausbruch der Pandemie und fand unter sehr strengen Hygieneauflagen statt.

Erstmalig haben die Partnerstädte Saarlouis und Saint-Nazaire sowie Saarbrücken und Nantes im Quartett zusammengearbeitet, denn in allen vier Städten waren die Jungen Botschafter*innen mit der Durchführung und Koordinierung des Projektes betraut. Neu war auch die Zielgruppe der 18- bis 21-jährigen jungen Erwachsenen und somit einen anderen Erfahrungsschatz einbringen konnten als jüngere Teilnehmer*innen.

Die Idee war innovativ und kreativ: Die Jungen Botschafter*innen aus dem Vorjahr, Charlotte Chicoine (in SB) und Marie Audéoud (in SLS), wollten gemeinsam mit anderen jungen Leuten herausfinden und diskutieren, inwiefern Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie oder Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen im eigenen Alltag und in den Sportvereinen der eigenen Stadt auftreten und wie man diesen Diskriminierungen entgegentreten kann.

Die Jungen Botschafter*innen des aktuellen Jahrgangs Félicia Rocher (Saint-Nazaire), Matthias Altmeyer (Saarlouis), Alexia Theißen-Achille (Saarbrücken und Esther Amilien (Nantes) haben die Idee aufgegriffen und gemeinsam mit ihren Tutor*innen umgesetzt.

Im Zentrum der Begegnung stand für die jungen Franzosen und Deutschen eine Ausbildung zum „Demokratie-Coach“, die vom Landessportverband für das Saarland (LSVS) im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ organisiert und gefördert wird. Für den LSVS war das Partnerschaftsprojekt ebenfalls ein Novum: Die Demokratie-Coach-Ausbildung wurde zum ersten Mal in einem deutsch-französischen Kontext und mit Simultanübersetzung durchgeführt.

Bei dem siebentägigen Aufenthalt mit Unterbringung an der Landessportschule in Saarbrücken waren vier Tage den Themen Diskriminierungs-Sensibilisierung und -Prävention, Werte-Coaching, der respektvollen Kommunikation und dem Konfliktmanagement gewidmet, die allesamt in interaktiver Form behandelt wurden. Stolz konnten die 13 Teilnehmer*innen am Ende ihre zweisprachigen Zertifikate in Empfang nehmen. Zwischen den Ausbildungsmodulen hatte die Gruppe Gelegenheit, verschiedene Sportangebote zu nutzen und selbstverständlich auch die beiden Städte kennenzulernen.

Besonders nachhaltig beeindruckt waren die jungen Leute von zwei Programmpunkten im Praxisteil: Sehr berührt hat sie ein Gesprächsabend mit der intersexuellen Person Zoe, die von ihren Erfahrungen, Problemen und Nöten als Sportlerin, aber auch in ihrem Alltag berichtet hat.

Noch enger zusammengeführt und miteinander verbunden hat die Gruppe ein Halbtages-Workshop im Atelier Mike Mathes. Dort konnten alle Gedanken, Erfahrungen, Botschaften und Emotionen unter Anleitung und mit Impulsen des Künstlers mit Farben, Pinseln und Händen künstlerisch verarbeitet werden und anschließend in einem „Wanderstatement“ durch die Innenstadt bis zum Rathaus getragen werden. Viele Anwohner*innen haben diesen kleinen Demonstrationszug interessiert beobachtet und begleitet und mit einhelliger Unterstützung bedacht:

„Wir finden gut, was Ihr da macht.“ Die binationale Gruppe ist in den wenigen Tagen des Zusammenseins sehr eng zusammengewachsen. Ganz sicher werden aus diesem Projekt, das eine großzügige finanzielle Unterstützung durch das Deutsch-Französische Jugendwerk erfahren hat, weitere Initiativen und Treffen resultieren. Das haben die jungen Leute bei der Verabschiedung fest vereinbart.

Für Saarlouis und Saint-Nazaire haben am Projekt teilgenommen: Gentjan Krasniqi, Niels Grannec, Magnus Jung, Félicia Rocher und Veronica Titica.

Abenteuerreise in 3D - Voyage d’aventure en 3D

Förderung über den Deutsch-Französischen Bürgerfonds

Das Projekt „Abenteuerreise in 3D – Voyage d’aventure en 3D“ wurde vom 01.03.2021 bis zum 30.04.2021 zeitgleich in den Partnerstädten Saarlouis und Saint-Nazaire durchgeführt. Es bestand aus drei Projektbausteinen, die den klassischen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Zeichnen gewidmet waren und auch unter Pandemiebedingungen durchgeführt werden konnten. Die drei Projektbausteine waren als sog.  „Reiseziele“ im Rahmen der „Abenteuerreise“ definiert und hatten verschiedene Zielgruppen (Erwachsene / Erwachsene und Jugendliche / Kinder) als Adressaten.

Das Projekt wurde von den Jungen Botschafter*innen in den Partnerstädten, Félicia Rocher und Matthias Altmeyer, initiiert und durchgeführt und hat zu einer ersten Kooperation zwischen der Bibliothek in Saarlouis und der Médiathèque in Saint-Nazaire geführt.

Insgesamt haben 26 Personen aktiv am Projekt teilgenommen und Wettbewerbsbeiträge eingesandt. Die Anzahl der erreichten Personen war aber um ein Vielfaches größer, da beim Projektbaustein 1 deutlich mehr Bücher ausgeliehen wurden, als Rezensionen eingereicht wurden und das Projekt auch „ungeplante“ positive Nebeneffekte erzeugt hat (s. Ausführungen unten).

Die Médiathèque in Saint-Nazaire hatte auf Empfehlung der Stadtbibliothek Saarlouis 10 Buchtitel deutscher Autor*innen

in je zwei Exemplaren zur Ausleihe beschafft, die Stadtbibliothek Saarlouis auf Empfehlung der Médiathèque in Saint-Nazaire und der französischen Honorarkonsulin Myriam Bouchon ebenfalls 10 Buchtitel französischsprachiger Autor*innen in je drei Exemplaren. Die Titel in Saint-Nazaire waren binnen zwei Tagen vergriffen, die Ausleihe in Saarlouis war auch sehr zufriedenstellend. Dies zeigt, dass die Idee, Autor*innen aus dem Partnerland zu präsentieren, gegenseitig auf großes Interesse stößt. Leider wurde insgesamt nur eine Rezension eingereicht, aber der Vorlauf für die Einsendungen war mit ca. drei bis vier Wochen auch sehr knapp bemessen.

Ein positiver Nebeneffekt war, dass die französische Honorarkonsulin als Schirmherrin des Projektes zum Tag der Frankophonie am 20.03. das Projekt mit einer Videobotschaft noch einmal extra beworben hatte und dies zum Anlass nahm, der Stadtbibliothek ihre eigenen umfangreichen Buchbestände in französischer Sprache zu spenden. Nun hat die Stadtbibliothek Saarlouis wieder ein französischsprachiges Regal, das seit diesem Zeitpunkt auch gut frequentiert wird.

Die deutsch-französische Schreibwerkstatt hat alle Erwartungen übertroffen. Für die Kurzgeschichten, die in Saarlouis oder in Saint-Nazaire spielen und fünf vorgegebene Begriffe enthalten mussten, gab es insgesamt sieben Einsendungen – davon sechs von Erwachsenen und eine Einsendung einer Schülerin. Drei Beiträge stammten aus Saarlouis, vier aus Saint-Nazaire. Dabei handelte es sich sowohl um Personen, die bereits eine Affinität zur Städtepartnerschaft hatten als auch um Teilnehmer*innen, die bisher nicht in die Partnerschaft involviert waren.

Sowohl die Aufgabe an sich als auch die Geschichten selbst haben einen nachhaltigen Effekt erzielt, da sie als Thema der deutschsprachigen Konversationsgruppe in Saint-Nazaire aufgegriffen wurden.

Der Wettbewerb für Kinder wurde besonders gut angenommen, hier gab es insgesamt die meisten Einsendungen (achtzehn, davon vierzehn aus einer Kindertagesstätte, zwei aus einer Schule und zwei private).

Auch hier ging der erzielte langfristige Effekt für die Städtepartnerschaft über die reine Teilnahme hinaus: Da die geplante Pressekonferenz mit Überreichung der Preise nicht stattfinden konnte, wurden die Präsente persönlich unter besonderen Hygienemaßnahmen überreicht. So bot sich die Möglichkeit, auch mit Eltern zum Thema Städtepartnerschaft ins Gespräch zu kommen und diese für nachfolgende Partnerschaftsaktivitäten und -Begegnungen zu interessieren. Die jungen Saarlouiser Teilnehme*innen werden demnächst auch zu einer Sondervorstellung „Bilderbuchkino“ in die Bibliothek eingeladen, sobald es die Rahmenbedingungen zulassen.

In Saint-Nazaire konnten schulische und vorschulische Einrichtungen leider pandemiebedingt nicht in den Wettbewerb involviert werden, deshalb gab es für diesen Projektbaustein keine Teilnehmer*innen aus Frankreich.

Folgende geplante Aktivitäten konnten pandemiebedingt nicht durchgeführt werden:

  • Pädagogisches Begleitprogramm in der Bibliothek/Médiathèque bei der Ausleihe der Bücher
  • Präsenzveranstaltung zum Tag der Frankophonie mit der französischen Honorarkonsulin; Alternativprogramm: Videobotschaft!
  • Bannerausstellung mit den Rezensionen (zu wenige Einsendungen) und Zeichnungen; stattdessen: Produktion von Bannern mit den Buchtiteln zur Bewerbung des Projektes und Produktion von Bannern zur Bewerbung des Endproduktes, einer zweisprachigen Broschüre!
  • Pressekonferenz; stattdessen: Produktion einer zweisprachigen Broschüre, in der alle Teilnehmer*innen mit ihren Beiträgen vorgestellt werden!

Die Produktion der Broschüre war die „überraschendste Wendung“ in Projekt: Da die Pressekonferenz relativ kurzfristig vor dem Termin 23.04. definitiv abgesagt werden musste, stellte sich die Frage, wie man den Teilnehmer*innen trotzdem gerecht werden und ihr Engagement wertschätzen und honorieren kann.

So entstand die Idee zu einer zweisprachigen online-Broschüre, die auf den städtischen Homepages sowie den Internetseiten von Bibliothek und Médiathèque veröffentlicht wurde. Allerdings blieb für die Erfassung der Beiträge, die gesamte Konzeption, das Layout, die Übersetzungen und den Druck nur zehn Tage Zeit – eine sehr große Herausforderung.

Das Resultat kann sich sehen lassen:

Fazit:

Alle Projektbeteiligten sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden: Es konnten trotz Pandemie viele neue Verbindungen zwischen den Partnerstädten geschaffen und altbekannte, aber auch zahlreiche neue Partnerschaftsakteure eingebunden und begeistert werden.

Diese erste Kooperation zwischen der Bibliothek Saarlouis und der Médiathèque Saint-Nazaire war so gewinnbringend, dass die Zusammenarbeit künftig in mehreren Bereichen künftig fortgesetzt wird. Es ist auch vorstellbar, dass die „Abenteuerreise in 3D“ eine Neuauflage erfährt, und zwar zu „Normalbedingungen“ mit echten Begegnungen.

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