„Wir sind die Stadt mit dem deutsch-französischen Namen. Im Herzen Europas – und vor allem: Mit Europa im Herzen“, sagte der Saarlouiser Oberbürgermeister Marc Speicher mitten über der Saar, im Zentrum der Brücke, wo die rue François Mitterrand und die Helmut-Kohl-Straße aufeinandertreffen und gemeinsam die zentrale Einfahrtsstraße in die Europastadt Saarlouis bilden. Mit einem Festakt wurden beide Straßen nun gemeinsam eingeweiht – zusammen mit Bundeskanzler Friedrich Merz und dem französischen Generalkonsul Jérôme Spinoza.
Symbol für die Fähigkeit zum Frieden
Die Einweihungsfeier stand ganz im Zeichen der großen Symbolik des Handschlags von Verdun von Kohl und Mitterrand im Jahr 1984 und ihrer Bedeutung für die Deutsch-Französische Freundschaft und die europäische Integration. „Das Bild ist eine Ikone des 20. Jahrhunderts, es ist ein Symbol für die menschliche Fähigkeit zum Frieden“, hob Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Ansprache hervor. „Politik und historischer Fortschritt brauchen Symbole! Symbole machen sinnfällig und überhaupt erst spürbar, was sich mit Worten nur in Grenzen sagen und aussprechen lässt.“ Ein unvergessliches Symbol sei eben jener historische Handschlag von Verdun: „Kohl und Mitterrand reichen und halten einander die Hand über den Gräbern hunderttausender Toter, während sie den unzähligen jungen Männern beider Länder gedenken, die sinnlos ihr Leben verloren haben.“ Die Straßen in der Europastadt tragen nun die Namen jener großen Staatsmänner, sagte Merz. „Sie beide haben Brücken gebaut und Brücken gefestigt zwischen zwei Nationen, die furchtbare Kriege, fürchterliche Erfahrungen von Gewalt, Rachegedanken und tiefes Misstrauen voneinander getrennt haben. Beide Straßen treffen aufeinander, mitten auf einer Brücke in Saarlouis, über die Saar.“
Auf dem Weg zur Brüderlichkeit
Auch der französische Generalkonsul Jérôme Spinoza betonte den historischen Wert dieser symbolischen Geste. „Die Hand, die Mitterrand sehr instinktiv Helmut Kohl reichte und die Kohl ebenso selbstverständlich ergriff – dieses Symbol besiegelten den Übergang von der einfachen Versöhnung zu einer erneuerten Brüderlichkeit.“ Die Stadt Saarlouis selbst sei nicht nur die symbolträchtigste Grenzstadt in einem deutschen Bundesland, an vorderster Front der besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. „Saarlouis verkörpert, dass unsere beiden Länder auf besondere und sehr langfristige Art hier verknüpft sind. Über diese Verbundenheit hinaus ist Saarlouis besonders aktiv, diese europäische Verbundenheit mit Leben zu erfüllen.“
Einigkeit in Europa: Weiterentwickeln und vertiefen
„Wir erleben, wie sehr unser Friedenszustand abhängt von der Einigkeit in Europa“, erklärte Bundeskanzler Merz. „Und mehr noch: Wie er abhängt von der Weiterentwicklung dieses Europas, von einer Vertiefung dieser Einigkeit.“ Dazu bedürfe es immer wieder neuer Partnerschaften zwischen diesen zwei starken Ländern Europas. „Immer neu müssen Menschen beider Länder aufeinandertreffen und unzählige Brücken bauen, zwischen unseren Nationen. Und es gehört zu dem vielen guten in unserem Land, dass es dieses Aufeinandertreffen in vielfältiger Weise gibt: So wie das Zusammenleben in dieser europäischen Großregion SaarLorLux, so wie in den vielen Kontakten und Initiativen in der Stadt Saarlouis.“
Von der Randlage zum historischen Kernland Europas
Das betonte auch OB Marc Speicher: „Gerade hier wurden wir durch die EU aus einer Randlage wieder zu dem, was wir historisch sind: Kernland Europas.“ Die Deutsch-Französische Freundschaft, wie sie von Kohl und Mitterrand an jenem Tag in Verdun geprägt wurde – „sie hat jetzt ihren festen und unübersehbaren Platz in unserer Europastadt Saarlouis. Die Namen werden uns im Alltag begegnen. Sie sollen uns stets daran erinnern, was Versöhnung möglich macht und wofür wir Verantwortung tragen.“
v.l: Jerôme Spinoza - französischer Generalkonsul, Bundeskanzler Friedrich Merz, Beigeordeneter Gerald Purucker, Bürgermeister Carsten Quirin und Oberbürgermeister Marc Speicher.
Die Einweihungsfeier stand ganz im Zeichen des historischen Handschlags von Kohl und Mitterrand in Verdun im Jahr 1984 und dessen Bedeutung für die deutsch-französische Freundschaft.
Anlässlich der Straßeneinweihung und des Besuchs des Kanzlers hatten die Kinder der Kita Picard ein Lied für die Besucherinnen und Besucher vorbereitet, das sie zum Besten gaben.
Fotos: Oliver Dietze
