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23.09.2026

Saarlouis wird zum Reallabor für mobile Stadtbegrünung

Wie können Innenstädte auch dort grüner werden, wo Bäume aufgrund von Leitungen, Feuerwehrzufahrten oder anderen baulichen Gegebenheiten nicht gepflanzt werden können? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Europastadt Saarlouis gemeinsam mit europäischen Partnern im Interreg-Projekt „Livable Cities“. Für das Projekt erhält die Stadt eine Zuwendung in Höhe von 170.000 Euro vom Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz. Der Förderbescheid wurde auf dem Kleinen Markt in Saarlouis übergeben.

„Der Klimawandel ist bei uns angekommen – das haben wir alle in diesem Sommer mit seinen Hitzerekorden nur allzu deutlich gespürt. Umso wichtiger sind Maßnahmen zur Klimaanpassung, wie sie hier in Saarlouis vorgestellt wurden, um Menschen, Tiere und Natur zu schützen. Mobiles Grün kann dabei eine wertvolle und flexibel einsetzbare Unterstützung leisten“, betont Umweltministerin Petra Berg.

„Die Europastadt Saarlouis ist stolz darauf, Teil dieses internationalen Forschungsprojektes zu sein“, erklärt der zuständige Beigeordnete Gerald Purucker. „Der Austausch mit Kommunen wie Utrecht, Antwerpen, Cork oder Straßburg bietet uns die Chance, wissenschaftliche Erkenntnisse zur blau-grünen Infrastruktur mit konkreter kommunaler Praxis zu verbinden. In Saarlouis entwickeln und erproben wir mobile Begrünungslösungen für besonders hitzebelastete Bereiche, in denen klassische Baumpflanzungen aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht möglich sind. Die Erkenntnisse sollen nicht nur Saarlouis zugutekommen, sondern möglichst einfach und pragmatisch auf andere Kommunen übertragbar sein.“

Kern des Saarlouiser Teilprojektes ist die Entwicklung mobiler Pflanzsysteme mit integrierter und möglichst autarker Bewässerung. Dabei sollen insbesondere schnellwachsende Rankpflanzen erprobt und untersucht werden, welche Arten auch bei großer Hitze und Trockenheit dauerhaft bestehen und zugleich die Artenvielfalt fördern können.

Die Entwicklung der Prototypen erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem städtischen Betriebshof NBS. Projektleiter auf Seiten der Stadt ist Marc Engel, der bei der praktischen Entwicklung und Umsetzung insbesondere von Dietmar Esser und Felix Vieille vom NBS unterstützt wird. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch die beteiligten europäischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Die ersten Prototypen sollen im Frühjahr 2027 an ausgewählten Standorten in der Saarlouiser Innenstadt aufgestellt und unter realen Bedingungen erprobt werden. Bei der Standortwahl spielen neben der Hitzebelastung auch die Frequentierung der Flächen und ihre städtebauliche Wirkung eine Rolle. Bewähren sich die Systeme, können sie anschließend auch an weiteren Hitze-Hotspots im Stadtgebiet eingesetzt werden.

Das Interreg-Projekt „Livable Cities“ läuft von November 2025 bis Mitte 2029. Gemeinsam mit europäischen Partnern werden praxisnahe Lösungen für Klimaanpassung, blau-grüne Infrastruktur und Artenvielfalt entwickelt, um Städte klimaresilienter und lebenswerter zu gestalten.

Auf die Europastadt Saarlouis entfallen insgesamt rund 851.000 Euro Projektmittel. Diese werden zu 60 Prozent aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, zu 20 Prozent durch das Saarland und zu 20 Prozent durch die Europastadt Saarlouis finanziert.

Auf dem Kleinen Markt in Saarlouis wurde der Förderbescheid von Ministerin Petra Berg an den Beigeordneten Gerald Purucker übergeben.

Foto: Sophia Bonnaire