Austausch über wirtschaftlichen Wandel, Nachbarschaft und Bedeutung der transatlantischen Beziehungen
Wie gestaltet Saarlouis den wirtschaftlichen Wandel, und was verbindet die Europastadt mit ihren Nachbarn und den Vereinigten Staaten? Diese Fragen standen am Montag im Mittelpunkt des Besuchs von US-Generalkonsul Brian Heath im Rathaus. Oberbürgermeister Marc Speicher, Bürgermeister Carsten Quirin und der Beigeordnete Gerald Purucker empfingen den Diplomaten zu einem mehr als einstündigen, angeregten Gespräch sowie einer sich daran anschließenden Stadtführung. Im Austausch ging es über den Strukturwandel an der Saar, über die Frage der Wirtschaftspolitik und von neuen Arbeitsplätzen ebenso wie über die Aktivitäten im Sinne der europäischen und deutsch-amerikanischen Verständigung.
Besonders ausführlich ging es um das Ende der Fahrzeugproduktion bei Ford. Über Jahrzehnte hatte der amerikanische Automobilhersteller das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Saarlouis mitgeprägt. „Das Ende von Ford war ein schwerer Schlag für die ganze Region, aber wir stecken mitten in der Transformation“, sagte Speicher.
Für die weitere Entwicklung der Stadt steht die Ansiedlung des Pharmadienstleisters Vetter ebenso wie die Erweiterung des Lisdorfer Berges.
Auch die Zukunft der Stahlindustrie und die grenzüberschreitende Wasserstoffversorgung kamen zur Sprache. Beides betrifft den Industriestandort Saarlouis unmittelbar. Die Städte Saarlouis und Dillingen haben gemeinsam die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Umbau zur CO₂-ärmeren Stahlproduktion in den beiden Städten geschaffen. Einen wichtigen Beitrag zur künftigen Versorgung soll das Wasserstoffprojekt mosaHYc leisten. Die rund 17 Kilometer lange Leitung soll Wasserstoff aus Frankreich zu industriellen Abnehmern im Saarland transportieren.
„Die enge Zusammenarbeit mit unseren französischen Nachbarn eröffnet uns auch beim Klimaschutz und bei der Zukunft unserer Industrie neue Möglichkeiten. Mit der grenzüberschreitenden Wasserstoffversorgung schaffen wir gemeinsam wichtige Voraussetzungen für eine klimafreundlichere Produktion und den langfristigen Erhalt von Arbeitsplätzen in unserer Region“, erklärte Purucker.
Wie selbstverständlich diese Nachbarschaft den Alltag in Saarlouis prägt, schilderte Quirin am Beispiel des Einzelhandels: „Unsere Nachbarn sind uns sehr wichtig. Die Stadt wird täglich von Menschen aus Luxemburg und Frankreich besucht, und das stärkt natürlich auch unsere Position als Einkaufsstadt.“
Anknüpfungspunkte zu den Vereinigten Staaten bietet der Sport. Mit den Saarlouis Hornets im Baseball und den Saarlouis Royals sowie den Saarlouis Sunkings im Basketball sind zwei stark amerikanisch geprägte Sportarten fest im Vereinsleben verankert. „Beide Sportarten sind für Saarlouis sehr wichtig und locken viele Zuschauer an“, sagte Quirin. „Die Hornets spielen auf einem der schönsten Baseballfelder der Liga, und der neue Glasboden in der Stadtgartenhalle wird sehr gelobt.“ Dessen digital einblendbare Spielfeldmarkierungen ermöglichen den Wechsel zwischen verschiedenen Sportarten. Die Royals feierten dort bereits ihre Pflichtspielpremiere im europäischen Wettbewerb.
Im Gobelinsaal tauschten die Gastgeber und ihr Gast anschließend Präsente aus. Heath erhielt einen Korb mit regionalen Produkten und überreichte der Stadt eine Sondermedaille zum 250-jährigen Bestehen der Vereinigten Staaten.
Diesen Einblick vertieften beim anschließenden Stadtrundgang Jürgen Baus, Leiter des Amtes für Stadtplanung, Hochbau, Denkmalpflege und Umwelt, sowie Dieter Jostock, Stadtführer und Experte für die Stadtgeschichte. Heath zeigte sich beeindruckt davon, wie viel Geschichte sich bis heute an den Gebäuden und im Stadtbild ablesen lässt. „Es ist beeindruckend, wie viel Geschichte man in Saarlouis noch an den Gebäuden ablesen kann“, sagte der Generalkonsul.
Zur Person: Brian Heath ist Berufsdiplomat und seit August 2024 Generalkonsul am US-Generalkonsulat in Frankfurt am Main. Zuvor leitete er die Verwaltungsabteilung der US-Botschaft in Neu-Delhi. Seit seinem Eintritt in den auswärtigen Dienst 1998 war er unter anderem in Karachi, Lahore, Berlin, Mumbai und bei den Vereinten Nationen in New York tätig.
Fotos: Dominik Eder
