Topaktuell

Von Phantásien über Oberhausen nach Saarlouis: Bilder und Geschichten zu Michael Ende begeistern die Generationen

Als am ersten Sonntag im Februar in der Ludwig Galerie Saarlouis die Vernissage zur neuen Ausstellung von Illustrationen zu den Büchern von Michael Ende eröffnet wurde, lohnte sich neben dem Hinsehen vor allem das Hinhören ganz besonders. Ständige „Ahs“, „Ohs“ und Aussagen wie „Da drüben ist Jim Knopf!“, „Ach wie toll, die Kindliche Kaiserin“ oder „Momo habe ich sogar mehrfach gelesen“ zeugten von einer überschäumenden Begeisterung der zahlreichen Gäste, die man in solch geballter Form wirklich nicht oft bei Veranstaltungen erlebt. Und das verdeutlicht, wie beliebt und emotional berührend die Figuren des 1995 verstorben, weltberühmten Schriftstellers auch heute noch sind – und das in allen Altersklassen.

„Anhand von über 150 originalen Gemälden, Zeichnungen und Buchausgaben von insgesamt 33 kreativen Köpfen beginnt für uns in Saarlouis heute eine fantastische Reise – zurück in unsere Kindheit und Jugend - mit den literarischen und künstlerischen Werken, die unsere Fantasie beflügelt haben und heute noch in bester Erinnerung sind“ sagte Bürgermeister Carsten Quirin in seiner Eröffnungsrede. „Was macht den Erfolg eines Kinderbuchs aus?“, fragte er: „Das reine Schriftwerk? Die Zeichnungen? Oder ergänzen sich Geschichten und Zeichnungen? Ich jedenfalls habe als Kind nur Bücher akzeptiert in denen viele Bilder und Zeichnungen vorhanden waren. Ein Buch das nur aus Buchstaben bestand – das war nicht meine Welt“, bekannte er und berichtete, dass ein Künstler, der in dieser Ausstellung zu sehen ist für ihn etwas ganz Besonderes sei. Die Rede war von Franz-Josef Tripp, der nicht nur die unverwechselbaren Illustrationen zu Michael Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ geschaffen hat, sondern „auch die aus meinem Lieblingskinderbuch „Der Räuber Hotzenplotz“ von Ottfried Preußler. Tripps einzigartiger Zeichenstil, Bilder und Figuren mit Strichen, Kringel und vielen kleinen Details auszustatten, hat sich bei mir fest eingeprägt“, so Quirin. Er bedankte sich bei Museumsleiterin Dr. Claudia Wiotte-Franz und ihrem Team der Ludwig Galerie Saarlouis, dem langjährigen Kooperationspartner, der Ludwig Galerie Oberhausen, dem Herausgeber der Bücher von Michael Ende seit 1960, dem Thienemann-Esslinger-Verlag, sowie vielen weiteren Einrichtungen und Institutionen, wie beispielsweise der Stadtbibliothek und der Volkshochschule Saarlouis, für die Unterstützung beim umfangreichen Rahmenprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

„Unzählig sind die Geschichte von Michael Ende und unzählig sind die Zeichnungen, die diese Geschichten bebildern. Ich freue mich sehr, dass eine große Auswahl daraus in dieser von der Ludwig Galerie Oberhausen konzipierten und federführend von meiner lieben Kollegin Dr. Christine Vogt betreuten Präsentation zeigen können. Ergänzt wird sie übrigens durch neun Werke von Edgar Ende, dem Vater von Michael, der seine Kreativität an seinen Sohn weitergab“, erläuterte Dr. Claudia Wiotte-Franz. Seine Mutter Louise Ende geb. Bartholomä war übrigens eine Saarländerin, sie wurde 1892 in Neunkirchen/Saar geboren. Als Edgar Ende sie 1928 kennenlernte, führte sie ein Pretiosengeschäft in Garmisch-Partenkirchen.

„Lassen Sie sich nun verzaubern von unseren Exponaten, tauchen Sie ein in fantastische Welten. Eingeladen sind alle, denn Phantasie kennt keine Altersgrenze. Denn wie sagte Michael Ende einst: Ein Buch, das es nicht wert ist, von Erwachsenen gelesen zu werden, ist schon gar nicht wert, von Kindern gelesen zu werden“ schloss Dr. Wiotte-Franz ihre Begrüßung und übergab das Wort an Dr. Christine Vogt.

In Vorbereitung der Ausstellung wollte sie sich noch einmal durch alle Abenteuer von Michael Ende durchlesen, schilderte Vogt. Die „Zeitdiebe“ und „Grauen Herren“ aus Momo hätten ihr Vorhaben für unmöglich gehalten, doch Fuchur, der Glücksdrache aus der Unendlichen Geschickte hätte ihr zugeflüstert, „doch mit Glück kann es gelingen“. Wer schlussendlich Recht hatte, ließ Vogt offen und zeigte sich überrascht wie vollkommen anders und wunderbar ihre Konzeption, die sie in- und auswendig kenne, nun in den beeindruckenden Räumlichkeiten der Ludwig Galerie wirke. „

Für das Kind in jedem Menschen, habe der gelernte Schauspieler Ende, dessen Werke sich weltweit über 35 Millionen Mal verkauften und in mehr als 50 Sprachen übersetzt wurden, geschrieben. Lassen Sie sich darauf ein“, lud Vogt ein. Und das taten die Besucherinnen und Besucher!

Zur Info:

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. Juni zu den bekannten Öffnungszeiten der Ludwig Galerie zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Alle Informationen zu Öffnungszeiten, Museumspädagogik und Rahmenprogramm finden sich in einem separaten Flyer, erhältlich im Rathaus, der Tourist-Information und vielen anderen öffentlichen Einrichtungen oder im Internet unter www.saarlouis.de/ludwiggalerie.

Ein reich bebilderter Katalog mit 192 Seiten zum Preis von 29,80 Euro in der Ludwig Galerie erhältlich.

Text und Fotos: Petra Molitor

Bürgermeister Carsten Quirin, Dr. Claudia Wiotte-Franz (Ludwig Galerie Saarlouis), Dr. Christine Vogt (Ludwig Galerie Oberhausen) – v. l. n. r. Fotos: Petra Molitor