Topaktuell

Gemeinsames Gedenken an den Brandanschlag vom 19. September 1991

Stadt und Land gedachten Samuel Yeboah und der Opfer des rassistischen Brandanschlages in Fraulautern

Mit einer gemeinsamen Gedenkstunde am damaligen Tatort in Fraulautern gedachten die Kreisstadt Saarlouis und das Land den Opfern des Brandanschlages vom 19. September 1991.

Viel zu lange sei unklar gewesen, was genau sich in dieser Nacht zugetragen habe und wer die Täter waren, erinnerte OB Peter Demmer. „Obwohl es noch keinen Urteilsspruch gibt, konnten wir aus dem laufenden Prozess wesentliche Erkenntnisse gewinnen“, sagte der Saarlouiser Verwaltungschef. „Vor allem hat der Verhandlungsverlauf eines zweifelsfrei gezeigt: Am 19. September 1991 wurde in Saarlouis ein rassistischer Brandanschlag verübt.“

Die Entwicklungen der letzten Monate und Jahre stellten eine wichtige Zäsur dar, erklärte Demmer. „Sie haben zu einem Umdenken geführt und auch zu einer neuen Bewertung unseres Gedenkens.“
Bereits als bekannt wurde, dass den neuen Ermittlungen ‚gravierende Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen und fremdenfeindlichen Hintergrund des Anschlags‘ zugrunde lagen, wurde deshalb am Tatort eine Informationstafel aufgestellt. Darauf wird die Tat in den zeithistorischen Kontext der rechtsextremistischen Szene und weiterer Anschläge auf Flüchtlingswohnheime in Saarlouis, im Saarland und ganz Deutschland gestellt. „Wir wollten zeigen: Auch in Saarlouis hat es in dieser Zeit eine rechtsextreme Szene gegeben“, sagte Demmer.

Auch ein Mahnmal für die Opfer von Hass, Diskriminierung und Gewalt wurde auf den Weg gebracht, das auf dem Gutenbergplatz in der Saarlouiser Innenstadt entstehen und dort zentrales Element einer kompletten Neugestaltung des Platzes sein wird. Nach dem ein Künstlerwettbewerb durchgeführt wurde, hat der Stadtrat bereits seine Wahl getroffen und die notwendigen Haushaltsmittel bereitgestellt. Sobald der Haushalt genehmigt sei, erfolgten die nächsten Schritte.

„Der Blick zurück offenbart, dass die Stadtpolitik den Opfern der Anschläge in der Vergangenheit nicht mit ausreichend Empathie begegnet ist“, bekannte OB Demmer. „Das fehlende Einfühlungsvermögen hat die Leiden der Opfer verstärkt – dieser Tatsache sind wir uns heute bewusst und das tut uns leid. Im Namen der Kreisstadt Saarlouis entschuldige ich mich dafür bei den Betroffenen.“

Für die Landespolitik sprach die Staatssekretärin im Sozialministerium, Bettina Altesleben: „Die Aufarbeitung des rassistischen Brandanschlages bei dem Samuel Yeboah ums Leben kam, ist nun endlich juristisch auf gutem Wege. Und auch politisch wird im Untersuchungsausschuss des Landtages ein dunkler Fleck in der saarländischen Geschichte ausgeleuchtet werden. Die Landesregierung setzt mit dem angekündigten Entschädigungsfonds ein wichtiges Zeichen, dass die damaligen Taten und die Fehler, die in der Folge gemacht wurden, nicht verjähren. Unser gemeinsames Gedenken am Todestag Yeboahs steht auch stellvertretend für das Gedenken an viele Betroffene rassistischer Gewalt und ist ein Signal, dass die Stadt Saarlouis und die Landesregierung die gemeinsame Verantwortung ernst nehmen.“

Die am damaligen Tatort aufgestellte Informationstafel, deren Text aktualisiert wurde, um der Gewissheit auch hier Rechnung zu tragen.

Peter Demmer, Oberbürgermeister der Kreisstadt Saarlouis, bei seiner Ansprache am damaligen Tatort.

Im Anschluss an die Gedenkstunde erfolgte ein stilles Gedenken am Grab von Samuel Yeboah auf dem Friedhof Neue Welt.

Staatsekretärin im Sozialministerium, Bettina Altesleben richtete ebenfalls ihre Worte an alle Anwesenden.