Topaktuell

Wasserentnahmestellen auf den Friedhöfen über die Wintermonate abgestellt

19.02.2026

„Ein Leben ohne Saarlouis ist möglich, aber sinnlos“ – Große Loriot-Ausstellung bis Juni in Saarlouis

„Ein Leben ohne Saarlouis ist möglich, aber sinnlos“ – Große Loriot-Ausstellung bis Juni in Saarlouis

Loriot in Saarlouis – „Einer der wichtigsten Momente in meiner bisherigen Amtszeit“, sagte OB Marc Speicher, bekennender Loriot-Liebhaber, zur Ausstellungseröffnung, in die er, stilecht, mit Loriots berühmter Bundestagsrede einführte. Bis 7. Juni läuft die Ausstellung „Ach was. Loriot - Künstler, Kritiker und Karikaturist“ in der Ludwig Galerie. Sie zeigt das umfangreiche Werk eines der bedeutendsten deutschen Nachkriegskünstler.

„Vicco von Bülow steht für eine Vielfalt der Schaffenskraft, die selten ist“, betonte OB Speicher. „Oft wurde er dem Vorwurf ausgesetzt, er sei unpolitisch. Er selbst hat in einem Interview darauf hingewiesen, dass er jemand sei, der eigentlich die Bürger kritisiere – und das auf eine Weise, die man im ersten Moment sehr unterhaltsam findet und erst im zweiten Moment feststellt, dass der Blick sich gegen einen selbst richtet. Er kritisiert nicht die vermeintlich da oben, sondern diejenigen, die in einer Demokratie Verantwortung tragen für ein Gemeinwesen – nämlich die Bürgerinnen und Bürger, und das hat er auf geschickte Art und Weise getan, wie das bei denkbar wenigen der Fall gewesen ist. Er war also der demokratischste Kabarettist, wobei auch dies nur eine Facette seines mannigfaltigen Œuvres ist. Zeichner, Filmemacher, Schauspieler, Autor - von Bülow traf den deutschen Ton und sein Lebenswerk überdauert ihn. Er wird einer der großen Künstler Deutschlands bleiben. Die große Ausstellung zu ihm – als einer von so wenigen Stationen und als erste Station nach Frankfurt und Oberhausen - hier in Saarlouis zu haben ist eine große Ehre und vor allem Freude“, so Speicher.

Till Kapotsy-Bliss bereitete vor drei Jahren in Frankfurt eine Ausstellung für die Satire-Zeitung Pardon vor, kam dabei in Kontakt mit der Tochter von Loriot, Susanne von Bülow. In einem langen Gespräch eröffnete sie ihm ihre Befürchtung, dass das Werk ihres Vaters aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwinden könne. Es folgten Idee, Konzept, aufwändige Recherchen im Loriot-Archiv in seinem Zuhause in Ammerland: „Das ganze Haus atmete Loriot“, erinnerte sich Kapotsy-Bliss. „Er selbst war zwar schon tot, aber seine Frau lebte zu dem Zeitpunkt noch und seine Tochter Susanne hat sehr stark geholfen. Wir konnten aus dem Vollen schöpfen.“ Das Konzept der Ausstellung: „Von der Wiege bis zur Bahre, eine komplette Lebensschau.“

Nach Frankfurt war die Ausstellung in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen zu sehen bevor sie nach Saarlouis kam. Beide Orte ergänzten die ursprüngliche Schau um eigene Akzente und Ausstellungsteile. So sind in der Ludwig Galerie Loriot-Hommagen saarländischer Künstlerinnen und Künstler Catrin Raber, Jonathan Kunz, Bernd Kissel zu sehen, die im Rahmen einer Hommage zu Loriots 100. Geburtstag entstanden sind.

Auch darüber hinaus: „Es treibt mich immer um, wo es Berührungspunkte zum Saarland gibt“, erklärte Dr. Claudia Wiotte-Franz, Leiterin der Ludwig Galerie. Neben dem gemeinsamen filmischen Werk, das in Zusammenarbeit mit dem Neunkircher Film- und Fernsehproduzenten Günter Rohrbach waren da noch zwei weitere: „1973 gewann Loriot die Goldene Europa für die Figur Wumms. Loriot selbst war zwar verhindert, dafür kam Wim Thoelke nach Saarbrücken und nahm den Preis entgegen.“ Und dann gab es noch den Telecabinet-Sketch, in dem Frau Krakowski eröffnet: „Mein Bekannter und ich waren im letzten Sommer auf einem Campingplatz bei Saarbrücken. Dort war es sehr sauber.“ Und Herr Blühmel, alias Loriot, gibt ihr zu Antwort: „Ach was!?“

Die Ausstellung „Ach was. Loriot - Künstler, Kritiker und Karikaturist“ ist bis 7. Juni den üblichen Öffnungszeiten der Ludwig Galerie zu sehen. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches museumspädagogisches Begleitprogramm. Alle Infos und Details unter saarlouis.de/ludwiggalerie.

Fotos: Sascha Schmidt